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Jethro Tull

Thick As A Brick

(Siehe auch: Leitfaden "Britischer symphonischer Prog der 70er Jahre")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1972
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Klassischer Prog
Label: Chrysalis
Durchschnittswertung: 12.8/15 (5 Rezensionen)

Besetzung

Ian Anderson Gesang, Flöte, Gitarre, Saxophon, Violine
Martin Barre Gitarre, Laute
John Evan Klavier, Orgel, Synthesizer
Jeffrey Hammond-Hammond Bass
Barriemore Barlow Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Thick As A Brick Pt.1 22:45
2. Thick As A Brick Pt.2 21:05
Gesamtlaufzeit43:50


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 5)


THICK AS A BRICK:


JUDGES DISQUALIFY "LITTLE MILTON" IN LAST MINUTE RUMPUS


So springt die Headline des "St. Cleve Chronicle", der Jethro Tulls Album "Thick As A Brick" als Booklet ziert, dem Betrachter ins Auge. Der zugehörige Artikel erzählt die Geschichte des achtjährigen Gerald (Little Milton) Bostock, der für sein Gedicht "Thick As A Brick" (dt. etwa: "dumm wie Bohnenstroh") einen Nachwuchs-Literaturpreis erhalten hatte, der ihm aber nach massiven Protesten wegen seines angeblich blasphemischen, subversiven Inhalts wieder aberkannt wurde. Die gleiche Zeitung enhält zwei Seiten weiter den vollen Text des umstrittenen Gedichts und - ironischerweise - eine Besprechung der neuesten Platte von Jethro Tull: "Thick As A Brick", eine Vertonung eben jenes Epos'.

Eine nette, kleine Geschichte, die Ian Anderson sich als Aufhänger ausgedacht hat; natürlich sind der "Little Milton" und sein Schicksal komplett erfunden, aber das ganze ist schon gut gemacht. Beim ersten Durchlesen könnte man das alles fast für wahr halten, schließlich wird Gerald Bostock in den Credits der CD sogar als Co-Autor geführt.

"Thick As A Brick" besteht eigentlich aus einer einzigen Nummer, einer Art Suite, die um das gleichnamige Gedicht gewoben ist, in der die Text-Teile durch rein instrumentale Übergänge verbunden sind (für alle, die es nicht mehr oder noch nicht wissen: damals, als es sie noch gab, hatten die schwarzen Vinyl-Scheiben, die Schallplatten genannt wurden, zwei bespielte Seiten, auf die jeweils nicht mehr als eine halbe Stunde Musik paßte; daher die Zweiteilung des Stücks....).

Die Instrumentierung auf "Thick As A Brick" ist relativ aufwendig: die obligatorische Flöte, Gesang, akustische und elektrische Gitarren, E-Baß, Laute, Hammond, Klavier, Cembalo, Glockenspiel, Schlagzeug, Timpani, sogar Geige, Saxophon und Trompete und - wenn auch nur kurz - ein Streichorchester. Aber aus all diesen Zutaten spinnt Ian Anderson ein überaus filigranes Sound-Gewebe, in dem jedes Instrument seinen gleichberechtigten Platz hat, ohne daß eine Stimme zu sehr im Vordergrund stehen würde. Insbesondere fällt auf, daß Martin Barres elektrische Gitarre sehr zurückhaltend geführt wird; ein eher 'folkiger' Sound herrscht vor, wenn denn dieses 'Adjektiv' für die komplexe Struktur der Musik überhaupt geeignet ist: häufige Rhythmus- und Tempowechsel, fast polyphone Passagen neben typischen Anderson-Melodien und natürlich viel Druck von der Flöte. Und all dies wirkt stets spontan, ohne gekünstelt zu klingen. Der Gesamtklang ist klar und durchlässig und nicht so blues- und rockbetont wie bei früheren Jethro Tull-Platten. Die Musik bewegt sich ständig weiter, geführt von einigen Themen, die an späteren Stellen des Stücks wieder aufgenommen und weiter entwickelt werden. Es gibt kaum Soli, sondern - wenn auch virtuoses - kompaktes Ensemblespiel überwiegt. Lediglich die erste Hälfte des zweiten Teils hat einige Längen, die sich aber schnell verflüchtigen, sobald Keyboarder John Evans im Duell mit Ian Andersons Flöte die Finger auf dem Cembalo fliegen läßt. Aber insbesondere Barriemore Barlow's Schlagzeugspiel überzeugt: weit entfernt von der puren Rhythmus-Maschine bildet es eine vollkommen eigenständige durchkomponierte Stimme mit elegantem, schlanken Sound, ohne den Drive zu vernachlässigen.

"Thick As A Brick" gehört für mich in jede gute CD-Sammlung als Beispiel dafür, wie Rock unheimlich kunstvoll gemacht sein kann und dabei gut hörbar, fast eingängig bleibt. Auf jeden Fall hat sie mich beim ersten Hören außerordentlich beeindruckt und tut dies immer noch, deshalb: wärmstens empfohlen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.5.2002
Letzte Änderung: 15.5.2002
Wertung: 14/15

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Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 2 von 5)


So leid es mir tut: Ich finde, "Thick as a brick" hätte ein Prog-Meisterwerk werden können, wären da nicht diese stümperhaften Übergänge zwischen verschiedenen Themen drauf, würde die Platte, die einzelnen Instrumente und damit die Band nicht so flach und steril klingen, wären die Arrangements stellenweise nicht so "geschmackgefährdend" überladen (was haben da beispielsweise diese Streicher gegen Ende des Werkes verloren?-Das ärgert mich jedes Mal, wie überflüssig die mir da vorkommen...), und wären da nicht einige wirklich schwache Einfälle drauf, wie beispielsweise dieses unselige, pathetische "Do you belieeeeve in the daaaaaay?"-Gesumme. Oder diese nervigen Akkorde und Studiospielereien am Ende der ersten LP-Seite, deren einzige Berechtigung es war, diese LP-Seite irgendwie zu beenden...

Für mich ein Tull-Album, dem ich bis heute subjektiv am wenigsten abgewinnen kann. Neben "Crest of a knave" und "Under wraps" kam die Band klanglich selten so unattraktiv rüber.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.5.2004
Letzte Änderung: 9.5.2004
Wertung: 8/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 3 von 5)


Dieses Album lernte ich erstmals über die arg verkürzte Live-Version auf "Bursting Out" kennen, aber die Vielschichtigkeit und Farbigkeit dieses für mich definitiv besten Tull-Albums kann diese verstümmelte Fassung nur annähernd wiedergeben. Was hat das Original nicht alles zu bieten: viele folkige Momente, mittelalterliche Einsprengsel, kräftigen Rock, seltsame Klangexperimente - und alles perfekt auf einander abgestimmt, jeder Ton "sitzt", kein Part ist zu lang (na ja, vielleicht der Schluss von Teil 1).

Damit will ich die erwähnte Liveversion nicht niedermachen, die ist auch sehr gut, und es hatte sich in den sechs Jahren zwischen "Thick As A Brick" und "Bursting Out" natürlich auch genug neues Material angesammelt, so dass man das Stück notgedrungen kürzen musste - aber in dieser Form kann es eigentlich nur ein "Appetitanreger" sein.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.8.2004
Letzte Änderung: 2.1.2012
Wertung: 14/15
Seite 1: 15

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Von: Thoralf Koss @ (Rezension 4 von 5)


Um es gleich vorab zu sagen: "Wer 'Thick As A Brick' nicht in seiner gut sortierten Plattensammlung anspruchsvoller, progressiver Rockmusik stehen hat, der muss 'dumm wie Bohnenstroh' sein!"

Hier wurde ja schon einiges zur Musik und zur Geschichte des Albums geschrieben, darum möchte ich mich mal ganz gezielt auf die LP-Ausgabe beziehen. Also egal, ob man die CD besitzt oder nicht, gerade die außergewöhnliche LP-Ausgabe ist ein Muss. Nur aufpassen, dass man nicht eine der vielen Nach- oder Lizenz-Pressungen erwischt, denn dann entgeht einem das Besondere der Erstausgabe. Die ist nämlich genauso wie eine Zeitung gestaltet, die sich beim Öffnen des Albums entfaltet und aus 12 Seiten besteht, in die die LP eingebettet wurde.

Für mich ist "Thick As A Brick" mein absolutes Jethro-Tull-Lieblingsalbum, das ich auch zumindest als LP-Ausgabe nicht aus der Hand gebe.

Nach dem Riesenerfolg von "Aqualung" war "Thick As A Brick" der schwere Nachfolger, der seinen Vorgänger tatsächlich noch zu überflügeln verstand. Das lag einerseits daran, dass es das erste wirkliche Konzeptalbum von Jethro Tull war und andererseits neue Wege einschlug, da es eine sehr mystische, kopflastige, aber zugleich humorvolle Geschichte erzählte, wodurch sich die Musik auch stark von den folkigen Wurzeln verabschiedete und symphonisch-progressive Pfade beschritt.

Anderson schreibt selber dazu: "Das Album war humorvoll und mit Wärme gemacht, aber es sollte eine kleine Satire über die Vorstellung vom großartigen 'Rockband-Konzeptalbum' sein. Trotzdem war es ein sehr erfolgreiches Album, und als es an das nächste ging, tappten wir alle gemeinsam in eine Falle: Wir dachten, vielleicht sollten wir so etwas noch mal machen, aber diesmal nicht so albern, sondern ernsthaft. Und das war auch das Problem, das ich persönlich mit 'Passion Play' hatte, wenn ich zurückschaue. Es hatte nicht den Humor oder die Wärme, die 'Thick As A Brick' hatte. Genau wie 'Benefit' nicht die Wärme und Heiterkeit wie 'Stand Up' hatte."

Auch zu der (für mich nicht vorteilhaften) Live-Kurz-Variante gibt Anderson Auskunft - eine Auskunft, die eher nachdenklich als glücklich macht: "'Really don't mind if you sit this one out' war eine herausforderndes Statement ans Publikum, als wir das ganze Stück auf der 72er Tour spielten... Wir spielten das ganze Album durch und das war der reine Selbstmord! Besonders in Amerika. Es brachte mich an den Punkt, wo ich wirklich nicht mehr weiter machen wollte. Das war die einzige Zeit, in der ich je daran gedacht habe, keine Konzerte mehr zu geben." (Zitate aus "Jethro Tull Songbook", Palmyra)

Die Amis haben uns also eingebrockt, dass wir "Thick As A Brick" wohl nie in seiner kompletten Version live genießen werden dürfen.

So bleiben uns nur die physischen Tonträger, um "Thick As A Brick" in seiner Gesamtheit zu genießen. Und jede einzelne Minute dabei lohnt sich!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 18.7.2011
Letzte Änderung: 18.7.2011
Wertung: 14/15
Mein persönliches Jethro-Tull-Highlight!

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Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 5 von 5)


Dieser Tage (April 2012) ist "Thick as a Brick 2" erschienen. Wer würde da nicht auch noch einmal in Thick as a Brick "1" reinhören. Im Vergleich wird ja erst so manches richtig deutlich. Dieser Vergleich offenbart zuallererst einmal den wohl größten Vorteil des mit 40 Jahren Verzögerung veröffentlichten Nachfolgers – den exzellenten Sound. TAAB 2 klingt so knackig wie keine andere Tull- bzw. Anderson-Platte zuvor. Es wird einem dadurch übrigens auch klar, warum manches achtbare Stück auf Alben wie "Roots to Branches" oder "J-Tull Dot Com" seine Wirkung nicht voll entfalten konnte: Gegenüber TAAB 2 erscheint der Klang dieser Alben geradezu matschig.

Das originale Thick as a Brick aus dem Jahr 1972 hatte bestimmte Soundtugenden, die auf TAAB 2 nachgeahmt werden, vor allem die trockene Präsenz, die innerhalb der Rockmusik in dieser Form keineswegs gewöhnlich ist. Allerdings muss man in der Lage sein, das nach 40 Jahren überhaupt noch herauszuhören, denn ein bisschen klingt das Original-Album aus heutiger Sicht auch wie durch ein Telefon aufgezeichnet. Kein Zweifel – die Aufnahmetechnik hat wirklich enorme Fortschritte gemacht.

Doch all das bleibt nebensächlich, wenn man sich auf das eigentliche Phänomen einlässt: Die sprudelnde Lebendigkeit einer Musik, die damals wirklich auf ihrem Höhepunkt stand. Es ist faszinierend, mit dem durchaus gelungenen, unterhaltsamen und gut gemachten TAAB 2 im Ohr zur Originalplatte zurückzukehren. Denn die ist eben weit mehr als nur gelungen, unterhaltsam und gut gemacht. Sie entfaltet in ihren stärksten Passagen die mitreißende Kraft einer von jugendlicher Energie getragenen Meisterschaft, der keine antiquierte Produktionstechnik etwas anhaben kann.

Thick as a Brick ist im direkten Vergleich zu TAAB 2 streckenweise so temporeich, zupackend und wendig, dass es einen fast umhaut. Das Original hat den Funken, den man nicht so einfach wieder entzünden kann. Alter, Wiederholungseffekt und die Unmöglichkeit über Blütezeiten nach Belieben zu verfügen – all das spricht dagegen.

Umso achtbarer, dass Ian Anderson mit TAAB 2 trotzdem noch einmal etwas so Anhörbares geschaffen hat.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.4.2012
Letzte Änderung: 4.4.2012
Wertung: 14/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Jethro Tull

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1968 This Was 7.00 4
1969 Stand Up 11.00 3
1970 Benefit 9.00 4
1971 Aqualung 11.33 3
1972 Living In The Past 9.67 3
1973 A Passion Play 12.75 5
1974 Warchild 10.00 4
1975 Minstrel In The Gallery 11.50 4
1976 Too Old to Rock'n'Roll: Too Young to Die 9.00 3
1977 Songs from the Wood 11.67 3
1978 Heavy Horses 9.50 4
1978 Live - Bursting Out 11.50 2
1979 Stormwatch 9.50 2
1980 A 9.67 3
1982 The Broadsword And The Beast 10.00 2
1984 Under Wraps 9.00 3
1985 A Classic Case - The London Symphony Orchestra Plays The Music Of 4.00 2
1987 Crest of a Knave 7.80 5
1988 20 Years of Jethro Tull 10.00 1
1988 20 Years of Jethro Tull (Box Set) 12.00 1
1989 Rock Island 8.50 2
1990 Live at Hammersmith '84 9.00 1
1991 Catfish Rising 10.50 2
1992 A Little Light Music 10.50 2
1993 Nightcap 8.00 1
1993 25th Anniversary Box 12.00 1
1995 Roots To Branches 8.50 2
1995 In Concert 10.00 1
1999 J-Tull Dot Com 6.67 3
2001 The very best of 11.00 1
2002 Living With The Past (CD) 7.50 2
2003 The Essential Jethro Tull - 1
2003 A New Day Yesterday - The 25th Anniversary Collection (DVD) 9.00 1
2003 The Jethro Tull Christmas Album 9.00 3
2004 Nothing Is Easy: Live At The Isle Of Wight 1970 11.00 1
2005 Nothing Is Easy: Live At The Isle Of Wight 1970 (DVD) 8.00 2
2005 Aqualung Live - 2
2007 The Best Of Acoustic Jethro Tull - 1
2007 Live At Montreux 2003 11.00 1
2007 Bethlehem, PA, 9 August 2003 (DVD) - 1
2008 Jack in the green (DVD) - 1
2008 Their fully authorized story (2 DVDs) - 1
2009 Live At Madison Square Garden 1978 (DVD) 11.00 1
2010 Live at the London Hippodrome (DVD) 10.00 2
2015 Too Old To Rock 'n' Roll: Too Young To Die! - The TV Special Edition 11.00 1
2017 Jethro Tull - The String Quartets 11.00 1

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