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Lazuli

Réponse Incongrue à l'Inéluctable

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2009
Besonderheiten/Stil: Folk; RetroProg; Worldmusic / Ethno
Label: Eigenvertrieb
Durchschnittswertung: 11.25/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Dominique Leonetti Vocals, Guitars, Mandolin
Claude Leonetti Léode
Sylvain Bayol Warr Guitar
Gédéric Byar Guitar
Frédéric Juan Vibraphone, Marimba, Percussions
Yohan Simeon Percussions, Metalophone, Guitar

Gastmusiker

Jean-Pascal Boffo Guitar & Programmation on "Prologue"
Mariane Juan, Lilou Leonetti, Elliot Leonetti Backing Vocals on "On Nous Ment Comme On Respire"

Tracklist

Disc 1
1. Abîme 6:46
2. On Nous Ment Comme On Respire 7:33
3. La Vie Par La Face Nord 5:33
4. Aimants 5:41
5. Toujours Un Gars Sur Un Pont 8:00
6. La Belle Noirceur

1. Prologue 2:03
2. La Belle Noirceur 5:16
3. Épilogue 3:45

11:04
7. L'essentiel 2:50
Gesamtlaufzeit47:27


Rezensionen


Von: Wolfram Ehrhardt @ (Rezension 1 von 4)


Düster-chansonesk, gefühlvoll-ausdrucksstark, elektrisierend-eruptiv, treibend-perkussiv.......Lazuli empfangen uns auf ihrem vierten Werk, wie sie sich von uns auf ihrem Vorgängeralbum En Avant Doute... verabschiedet haben. Wer sich von der Magie der bisher zwei erhältlichen Werke verzaubern lassen konnte, dürfte keinen Grund von „Réponse Incongrue À L'inéluctable“ geliefert bekommen, um wirklich enttäuscht zu sein.

Die sechs Protagonisten sind seit der letzten Einspielung die gleichen geblieben, womit Ausnahmesänger Dominique Leonetti mit seiner klaren, kräftigen, hoch intonierten und vor allem charismatischen Stimme wieder für „Gänsehautfeeling“ sorgt. Und live ist der Bursche noch um einiges ausdrucksstärker als im Studio – wie übrigens die ganze Truppe! Ebenfalls sind die außergewöhnlichen elektrisierenden Klänge der Warr Gitarre von Sylvaín Bayol und natürlich der Leode von Claude Leonetti wieder prägend. Nicht zu vergessen das „High Voltage“-Gitarrenspiel von Gédéric Byar. Wenn ich jetzt auch noch die vielseitigen Schlaginstrumente Marimba, Vibraphone und Metalophone erwähne, haben wir die fast einzigartigen Lazuli-Grundsubstanzen wieder beieinander, wobei halt wiederum komplett auf Keyboards verzichtet wird. Abgesehen von den Gastsängerinnen aus der Lazulifamilie hört man auch noch Jean Pascal Boffo auf dem Track „Prologue“.

Ausschlaggebend für ein packendes Werk sind dann aber auch die kompositorischen Fähigkeiten, wobei mich Mastermind Dominique Leonetti mit seinen fünf musikalischen Weggefährten nicht enttäuscht. Alleine schon die geschickten Arrangements zwischen entspannten-gefühlvollen Sequenzen und spannungsgeladenen Soundbögen, die sich in treibend-perkussive Klanggewitter mit zuweilen elektrisierenden Saitenlauten wandeln, lassen keine Langeweile aufkommen. Die orientalischen Rhythmen mit Sprechgesang auf „On Nous Ment Comme On Reprise“ haben mit ihren beschwörenden Soundbögen zum Beispiel dann fast schon hypnotische Eigenschaften. Außerdem werden des öfteren melancholisch-fragile Stimmungen erzeugt, die sich aber fast immer in emotionale Klangattacken entladen.

Ihr besonderer Soundmix aus Heavy Prog, World Music und chansonesken Waves, der zuweilen an Peter Gabriel, die frühen King Crimson oder ihre Landsleute von Taal erinnert, erzeugt bei mir wieder große Freude. Vor allem entwickeln sich, neben den orgiastischen Saitenbehandlungen, nach mehreren Hördurchläufen tranceartige Wirkungen durch die magisch inszenierten Rhythmen und Gesänge. Einige etwas ruhigere Phasen, wie zum Beispiel der Schlusstrack „L'essentiel“, haben dann auch ein nicht so packendes Verve wie die meisten Klangräume auf „Résponse Incongrue À L'inéluctable“.

Insgesamt ist Lazuli mit der aktuellen Scheibe eine hörenswerte musikalische Melange aus lyrischen Tönen entsprechend ihrer Scheibe Amnésie sowie packender Klangturbulenzen entsprechend En Avant Doute... gelungen. Für mich zählt „Résponse Incongrue À L'inéluctable“ zu den musikalischen Höhepunkten des Jahres 2009. Soundbeispiele unter MySpace.

Anspieltipp(s): Abîme, On Nous Ment Comme On Respire, Toujours Un Gards Sur Un Pont
Vergleichbar mit: Peter Gabriel, frühe King Crimson, Taal
Veröffentlicht am: 27.6.2009
Letzte Änderung: 27.6.2009
Wertung: 13/15

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Von: Fix Sadler @ (Rezension 2 von 4)


Sehr schöne Rezi von Kollege Wolfram. Und fast alles was er schreibt kann man auch über die beiden anderen Alben der Band sagen (das sind die beiden, die man kriegen kann, das Debut bleibt von der Band unter Verschluss gehalten...).

In Details möchte ich dennoch widersprechen. Nach frühen King Crimson klingt bei Résponse Incongrue À L'inéluctable nichts was mir aufgefallen wäre. Und wärend Taal zur Gruppe des heavyproggenden Kammerrocks gehört (ich würde sie ja gerne als RIO-Band betrachten, aber das hat mir ein Fachmann verboten), verbindet Lazuli und Taal eigentlich nur die percussive Note.

Es wird noch ein bisschen kritischer, denn das neue Werk der Franzosen ist zu proggy. Die Stücke sind teilweise zu lang, Sample-Experimente wie in On Nous Ment Comme On Respire sind doof, und ausser La Belle Noirceur erreicht keines der Stück die Griffigkeit und Kompaktheit von Amnésie. Wir haben letztlich eine Entwicklung, die ich der Band nicht vorwerfen möchte, aber mir haben die kürzeren, schlüssigeren Tracks der Vorgänger einfach besser gefallen.

Das ist aber wirklich mosern auf allerhöchstem Niveau, denn mit ihrem folkloristischen, percussivem ArtPop stehen die Franzosen derzeit allein auf weiter Flur. Nach wie vor klingt das alles so, als habe Peter Gabriel eine Session mit einem vorderasiatischen Kammerorchester, Tony Levin und Robert Fripp arrangiert. Dazu ein (ich möchte fast sagen) besserer Christian Decamps als Sänger, fertig ist der Lazuli-Sound. Klingt super, oder? Ist es auch, vor allem live! Hier bin ich wieder 100% auf Wolfram's Seite.

Lazuli ist eine tolle Band, die aber vor allem live zur Weltklasse aufläuft. Trotzdem natürlich Empfehlung!

Anspieltipp(s): Abîme
Vergleichbar mit: Peter Gabriel meets späte King Crimson
Veröffentlicht am: 5.7.2009
Letzte Änderung: 5.7.2009
Wertung: 10/15
Abstufung muss sein; trotzdem Kaufempfehlung für ArtPop-Fans, denen Französisch nicht auf den Keks geht

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Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 3 von 4)


Lazuli kreieren einen vollkommen eigenständigen Sound und das ist in der heutigen Zeit ja fast schon eine Sensation ...schrieb ich schon bei „En Avant Doute“. Das neue Album mit dem Namen, den sich kein Mensch merken kann, bekräftigt diesen Eindruck nur noch mehr.

Lazuli sind vom ersten Ton an erkennbar. Die Band entfacht ein ums andere mal erdige Percussiongewitter, in denen Vibraphone, Marimba, Metalophone, Trommeln, Schlagzeug, Warr Guitar munter durcheinander wirbeln. Ab und zu sägt die Gitarre durch den Sound, über allem jault klagend die Leode und Dominique Leonetti singt sich die Seele aus dem Leib. Das ist ebenso herrlich wie einzigartig. Wenn überhaupt zeigen Lazuli eine gefühlte Nähe zu Peter Gabriel, aber eigentlich – wie mehrfach betont – ist dies eine komplett eigenständige Musik.

Dabei beherrschen Lazuli ihre musikalischen Ausdrucksformen nahezu perfekt. Geschickt spielen die Franzosen mit der Laut- / Leise-Dynamik. Treibend, düster, druckvoll, rockig wie in „Abime“ oder „Aimants“, lyrisch, verträumt chansonesk wie in „La Vie Par La Face Nord“ oder „Toujours Un Gars Sur Un Pont“. Voller Emotionen wie im Höhepunkt des Albums, der Mini-Suite „La Belle Noirceur“. Aber auch mal experimentell, wie im elektro-lastigen mit Samples aufgemischten „On Nous Ment Comme On Respire“. Politiker-Sprach-Samples und Kindergesang, das sind ja eigentlich no-gos, aber Lazuli machen aus dem Song ein kraftvolles Erlebnis. Für mich fast wider Willen der zweite absolute Höhepunkt des Albums.

„Résponse Incongrue À L'inéluctable“ und „En Avant Doute“ begegnen sich auf Augenhöhe, wobei das neue Album mich minimal mehr begeistert, das mag aber auch der Reiz des Neuen sein.

„Amnesie“ ist noch besser? Hoffentlich... ich hab's noch nicht, aber bald.

Anspieltipp(s): Abime, Aimants, La Belle Noirceur
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.7.2009
Letzte Änderung: 13.7.2009
Wertung: 12/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 4 von 4)


Lazuli gelingt auf ihrem dritten Album (eigentlich vierten Album, aber das "verschollene" erste betrachte ich einfach mal als nicht existent), ihrem typischen Stil treu zu bleiben, ohne dabei eine bloße Wiederholung alter Ideen zu präsentieren. Die drei langen Jahre zwischen En Avant Doute... und diesem Album wurden also durchaus für eine musikalische Weiterentwicklung genutzt.

Nun ist musikalische Weiterentwicklung prinzipiell etwas erfreuliches, aber nicht automatisch von Erfolg gekrönt, womit ich bei Kollegen Fix' Einwänden bin. Tatsächlich wirken manche Stücke einen Tick zu bemüht auf Progressivität getrimmt, manches wird zu sehr ausgewalzt; den kraftvollen Ethno-Art-Rocker On nous ment comme on respire mittels Stimmeinspielungen diverser Politiker auf sieben Minuten aufzublasen finde ich ebenso überflüssig wie den im gleichen Song eingesetzten Kinderchor.

Ein hochwertiges Werk ist den Südfranzosen dennoch auch hier wieder gelungen, und für mich zählen Lazuli nach wie vor zu den interessantesten Vertretern des zeitgenössischen französischen Prog. Wobei ich noch hinzufügen muss: wer Lazuli noch nicht live gesehen hat, kennt sie nicht wirklich.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.8.2009
Letzte Änderung: 25.8.2009
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Lazuli

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2004 Amnésie 11.00 2
2006 En avant doute... 11.33 3
2009 Six Frenchmen in Amsterdam : live at Paradiso (DVD) 12.00 2

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