Treasures
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Informationen
Allgemeine Angaben
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| Label: |
Fazzul Music |
| Durchschnittswertung: |
10/15 (2 Rezensionen) |
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Besetzung
| Pit Kayser |
keyboards, vocals |
| Markus Stauss |
baritone, alto & tenor sax, keyboards, flute, synthesizer, sequencer, electronics, vocals |
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Gastmusiker
| Jean Chaine |
bass (1,5) |
| Caroline Fahrni |
violin (5) |
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| André Müller |
baritone sax (5) |
| Alex Schaub |
bass (8-14) |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Überfall
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3:44
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| 2. |
Total
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6:54
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| 3. |
...in alle Ewigkeit
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1:24
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| 4. |
Strahlen
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4:29
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| 5. |
so froh
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4:21
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| 6. |
Kuckuck
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7:25
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| 7. |
Kulturbetrieb
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3:53
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| 8. |
Pit's tune
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3:00
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| 9. |
Überall
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6:15
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| 10. |
Irgendwo
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4:09
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| 11. |
Wie einst im Mai
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6:22
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| 12. |
November
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7:39
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| 13. |
Überraschungsfrisur
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4:43
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| 14. |
Endzeit
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6:00
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| Gesamtlaufzeit | 70:18 |
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Rezensionen

Selten hat mich ein Album so auf's Glatteis geführt wie dieses... Was soll das sein? Neue Schweizer Welle mit Saxofon? Wer ?Treasures? nach der Hälfte der Tracks vielleicht entnervt aus dem Player schmeißt (was durchaus passieren könnte), der wird vermutlich denken, dass es sich hier doch nur um eine dieser 80er-Jahre-Geschmacksverirrungen handelt, die man heute allenfalls noch mit Humor ertragen kann. Also selbst im an Überraschungen nicht armen Musik-Universum des Markus Stauss ist dieses Album und überhaupt die Formation Überfall ein exotischer Sonderfall... ja, wenn man nicht noch die Tracks 8 bis 14 hört. Da kommen dann plötzlich Ulterior Lux und Spaltklang schon wieder in Sichtweite.
Aber der Reihe nach... um 1986 formte sich Überfall aus den Resten der Wave-Formation Überschall. Im Kern agierte hier nur noch das Trio Pit Kayser, Markus Stauss und Andy Muckenhirn, die sich keine musikalischen Grenzen setzen, keinen musikalischen Konventionen beugen wollten.Unterstützt wird das Trio immer mal wieder von Gastmusikern, z.B. Jean Chaine, der mit Markus Stauss auch zusammen bei Ulterior Lux agierte, am Bass. ?Treasures? bietet nun eine Zusammenstellung von 'Kostbarkeiten', von Markus Stauss selbst ausgewählt, aus den Jahren der aktiven Zeit (also so ca. 1986 bis 1991) der Band. Da die anderen Veröffentlichungen der Band wohl komplett vergriffen (und ohnehin größtenteils ?nur? als LPs erschienen) sind, ist ?Treasures? nun die Chance Überfall auf CD kennenzulernen.
Das die Band stilistisch nicht festzulegen ist, ist wahrscheinlich Fluch und Segen zugleich und eben auch Ausdruck der künstlerischen Freiheit der Musiker. So zerfällt ?Treasures? grob in zwei Teile. Ab Track 8 - ?Pit's tune? - agiert man rein instrumental, dann auch als Quartett, denn Alex Schaub ist als fester Basser mit an Bord. Hier bieten Überfall knackigen Jazzrock mit so einer gewissen punkig-rockigen Attitüde und den üblichen Extravaganzen des Markus Stauss am Gebläse. Die furiose Rhythmusfraktion treibt die Songs voran, Markus Stauss bläst wieder alles weg und die Tasten agieren hier eher als sanfte Orchestrierung im Hintergrund oder sind für die schrägen Effekte verantwortlich. Parallelen zu anderen Stauss'schen Aktivitäten wie Ulterior Lux und Spaltklang sind deutlich hörbar. Manche Überfall-Tracks finden sich denn auch ? natürlich in veränderten Arrangements - im Repertoire dieser anderen Stauss-Formationen wieder. Auch dieses ist kein unbekanntes Phänomen in der musikalischen Welt des Schweizers.
In der ersten Hälfte von ?Treasures? wird allerdings häufig gesungen und damit einher geht dieser ?Neue Schweizer Welle?-Touch. Die Texte sind klare Kinder ihrer Zeit (Tschernobyl, Raketen-Nachrüstung, Umweltkatastrophen wie Seveso sorgen für entsprechende Wut und Zorn), sind eher direkt, denn lyrisch ausgearbeitet und kotzen eben Wut und Zorn über die Zustände der Welt hinaus. ?...?diese große Scheisse lässt mir keine Ruh und immer und immer kommt neue dazu...?. Ein bisschen erschreckend mag sein, dass auch wenn man heute wahrscheinlich einen etwas anderen Sprachduktus wählen würde, die thematisierten Grundprobleme aber im Kern ein Stück weit die Gleichen geblieben sind. So gesehen sind die Texte wahrscheinlich gar nicht so altertümlich, wie man das zunächst wahrzunehmen meint. Pit Kaysers Stimme muss allerdings wirklich nicht unbedingt mögen, aber ich finde sie jetzt auch nicht abschreckend. Er singt halt wie die Texte sind, rau, direkt, schnörkellos und eher aggressiv als schön. Aber nicht nur die Texte, auch die Musik wirkt bei diesen Tracks typisch 80er Jahre mit quietschigen Keyboardklängen und so einer wavigen Grundstimmung. Wobei diese ersten Eindrücke ein bisschen das Ohr für die geschickt eingebauten zappaesken Anklänge (und nicht nur wegen des manchmal sehr schrägen Humors), für noisige Aufbrüche und allerlei schräge, ja teils avantgardistische, Elemente verstellen. Einfache Musik in Sinne von Radiotauglichkeit oder NDW-Blödsinn liefern Überfall niemals ab. Es gibt sogar richtig Experimentelles wie ?Strahlen? mit Sprechgesang von Markus Stauss, kurioser Percussion, elektronischen Sphärenklängen und Sax-Gequietsche. Trotzdem dürfte die erste Hälfte von ?Treasures? gerade für 'traditionelle' Prog-Ohren eine Herausforderung sein. Und wenn dann ?Kuckuck? kommt, dann gibt es auch noch einen Test für den Progger-Humor, der ja manchmal auch etwas zu wünschen übrig lässt.
Das heißt also: Progger im engeren Sinn prüfen ihre Affinität zu Jazzrock und beginnen dann mit Track 8. Musikalische Menschen mit einem weiten Spektrum und keiner größeren 80er-Jahre-Phobie fangen einfach vorn an. Besonders coole Typen hören als erstes ?Kuckuck? an.
Wie auch immer... ?Treasures? bietet einen interessanten Einblick in eine weiteres musikalisches Wirkungsfeld des Markus Stauss. Mit einem eigenwilligen Stil-Kuddelmuddel, der den Hörer schon manchmal vor Rätsel stellt. Aber wenn man erstmal darin eingetaucht ist, dann möchte man das Ganze vielleicht gar nicht mehr missen. Ich zumindest nicht.
| Anspieltipp(s): |
siehe Text.. was soll das bringen? |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
5.2.2011 |
| Letzte Änderung: |
5.2.2011 |
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Also da haben wir weitaus dubiosere Platten auf den BBS als das: Normalrock, der nur deshalb als Prog gilt, weil ihm ein Konzept zugrunde liegt, blöden Hard-AOR, der nur deshalb als Prog gilt, weil er mit Keyboards ist, all so ein Zeug, vor dem man eben warnen muss, weil ganz viele Leute anderswo es hypen. Im Vergleich mit so etwas ist "Treasures" von Überfall nicht nur Prog, es ist sogar erst recht Prog - und das nicht nur im zweiten Teil des Albums. Obwohl Thomas natürlich recht hat, es gibt diese Zweiteilung, und der "typische" Proghörer (Ihr wisst schon: dicke Brille, Rollenspieler, keine Freundin) wird wohl tatsächlich mehr mit der zweiten Hälfte des Albums anfangen können, die so in die Richtung 5´UUs geht, auch ein bisschen zappaesk ist. Auch Einflüsse von Free Jazz und New York Noise, die wohl eher auf das Konto von Markus Stauss gehen, sind zu hören.
Die erste Hälfte des Albums ist klar NDW-beeinflusst, und damit geht es eigentlich in die in den letzten Jahren bei einigen so beliebte Stilmixer-Richtung. Wenn man drauf steht, Inkompatibles in einem Song zusammengepackt zu bekommen, dann sollten einen diese NDW-Free Jazz-Montagen ganz besonders reizen, denn was wäre wohl inkompatibler? Tatsache ist, dass auf "Treasures" dadurch eine Spannung entsteht, sowohl in einzelnen Songs, als auch über das ganze Album hinweg, wie man sie auf Progalben nur selten findet. Ob das immer zu gelungenen Resultaten führt, ist eine ganz andere Frage.
Tatsächlich muss man den Anarcho-Dada, der die NDW-Texte (und in den qualitätvollen Ausprägungen des Genres auch die Musik) ausmachte, mögen, um seine hier versammelten Vertreter schätzen zu können. "Überall Überfall - ganz total Überfall" ist, bei aller zugestandenen subversiven Kritik, ein ziemlich dämlicher Text. Doch was bedeutet das schon für einen, der "Da da da" für den Gipfel deutscher Poplyrik hält?
Im Ganzen ist "Treasures" ein wertvolles Zeitdokument einer ziemlich unwahrscheinlichen Zusammenarbeit und jedem Proghörer zu empfehlen, der spannungsreiche Musik zu schätzen weiß - oder sich für Zeitdokumente interessiert.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
9.2.2011 |
| Letzte Änderung: |
10.2.2011 |
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