Ghost Reveries
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Informationen
Allgemeine Angaben
Besetzung
| Mikael Akerfeldt |
all vocals, guitars, additional mellotron |
| Martin Lopez |
drums, percussion |
| Per Wiberg |
mellotrons, organs, grand & electric piano |
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| Peter Lindgren |
guitars |
| Martin Mendez |
bass guitars |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Ghost of Perdition
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10:32
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| 2. |
The Baying of the Hounds
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10:43
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| 3. |
Beneath the Mire
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8:00
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| 4. |
Atonement
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5:26
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| 5. |
Reverie/Harlequin Forest
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12:46
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| 6. |
Hours of Wealth
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5:23
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| 7. |
The Grand Conjuration
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10:23
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| 8. |
Isolation Years
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3:51
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| Gesamtlaufzeit | 67:04 |
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Rezensionen

Wenn ich mich als bekennendes NPWE an einem strahlenden Spätsommertag hinsetze, um ausgerechnet das neue Album von Opeth zu studieren (anstatt bis zu den Novembernebeln damit zu warten), dann muss ich mich wohl fragen, ob ich nicht etwas schizophren bin. Diese Musik scheint einen Bereich in mir anzusprechen, den nicht mal Pendragon erreichen (:-), und jetzt weiß ich endlich, wie das kommt: ?Ghost Reveries? ist das erste Album von Opeth, bei dem ich mir ganz sicher bin, dass das wirklich richtiger Prog ist; vorher habe ich zwar immer gespürt, dass der Prog gleich unter den Moorpfühlen lauert, aber die Band war den Weg dorthin (über das Moor) noch nicht ganz zu Ende gegangen.
Aber vielleicht ist Mikael Akerfeldt selbst auch etwas schizophren (was ich nur für normal halten würde): seine zwei letzten Alben ?Deliverance? und ?Damnation? zeigten nicht nur ganz verschiedene Seiten seiner Person, man könnte ? ganz subjektiv ? ihre Titel ja auch so deuten, dass beim zuerst erschienen etwas ?geliefert? wurde, was die Fans erwarteten, während ?Damnation? trotz seiner Sanftheit zeigte, dass sein Schöpfer nun wirklich ?verdammt? sein musste ? aber wie gesagt, das ist nur eine ganz subjektive Deutung, denn ?Deliverance? kann ja auch ?Befreiung? bedeuten.
Jedenfalls haben Opeth es nun zum ersten Mal bewerkstelligt, diese zwei Tümpel der Moorlöcher so schlüssig zusammenfließen zu lassen, dass ich nicht mehr den Eindruck einer gewissen Unvermischbarkeit ihrer Gewässer gewinnen kann: auf ?Ghost Reveries? passt alles perfekt zusammen; das Album ist so abgerundet, dass ich denke, jetzt erst haben sie das ultimative Album geschaffen, das sie immer schaffen wollten.
Wie haben sie das gemacht? Nun, da war zum einen der längere Einfluss von Steven Wilson, der mittlerweile nicht mehr produziert und mitwirkt (er wird aber noch in den Danksagungen erwähnt, neben vielen anderen bekannten Namen der heutigen Progszene). Immerhin könnten seine Anregungen dazu beigetragen haben, dass jetzt mit Per Wiberg ein fester Keyboarder in die Band eingestiegen ist ? und den hört man äußerst deutlich, vor allem mit Mellotron und Orgeln ? hart, aber retro. Gerade durch seinen klanglichen Unterbau wirken die Übergänge jetzt fließender als je zuvor, ohne dass der Sound deswegen breiig zu werden droht (das verhindert auch schon die gitarrenorientierte Abmischung ? ähnlich wie auf Porcupine Tree?s ?Deadwing?). Dann ist das Drumming deutlich besser und abwechslungsreicher geworden, virtuoser und im Equipment erweitert (da kommen auch schon mal Congas und ähnliche Klopfeinheiten zum Einsatz) ? hier hätte sogar eine stärkere Abmischung in den Vordergrund nicht geschadet, aber es scheint gewollt zu sein, dass ? wie bisher ? die Gitarren dominieren: was übrigens auch seine Berechtigung hat, denn nie ergänzten sich Akerfeldts sorgfältige Soli mit den harten Hammer- und Dröhngitarren so untrennbar wie hier ? jetzt hat er es endgültig geschafft, seinen geliebten Latimer-Stil restlos überzeugend in den Metal zu integrieren.
Außerdem sind auch die Härten im Sound liedhafter geworden, aber ohne dass deswegen Abstriche an der Härte zu befürchten wären. Auch in dieser Hinsicht scheint der ?Damnation?-Exkurs Wunder bewirkt zu haben; es kommt jetzt nicht mehr der Verdacht auf, alle Stücke klängen letztlich zu ähnlich (was bisher sicherlich manchen potentiellen Fan von Opeth auf Dauer wenig gefesselt hat).
In den Texten deutet sich an, dass das Album zumindest in Ansätzen ein Konzeptwerk darstellt: ich verstehe zwar nicht alles aus den düster-kryptischen Inhalten, aber interessant ist, dass sich z.B. die Titelzeile ?Baying of the hounds? in ?Harlequin forest? wiederholt, und die Zeile ?Beneath the mire? wird in besagtem ?Baying of the hounds? vorbereitet. Es scheint um jemanden zu gehen, der sich nach dem Tod seiner Mutter von gefährlichen Verführungen verfolgt fühlt und in die Abgründe seiner psychischen Verstrickungen absteigt ? falls ich den Zusammenhang der Songs richtig verstehe (und es wirklich einen solchen gibt).
Auch Akerfeldts Vocals sind auf diesem Album ein Erlebnis der besonderen Art ? so etwas dürfte im Metal-Bereich lange seinesgleichen suchen: früher schon wechselten sich bei Opeth Grunzlaute mit lyrischer Stimmen-Klarheit ab, aber nun werden diese kontrastreichen Teile häufig durch Übergänge mit Sprechgesang oder ?normalem? Rockgesang verknüpft ? passend zu dem Gitarreneinsatz, der zwischen lyrischen Melodieführungen und hartem Geruppe noch so manche Spielart vorführt, die sich irgendwo dazwischen einpendelt ? etwas Dream-Theater-Stil ist hier manchmal hörbar.
Somit werden einzelne Stilelemente endlich zu dem, was sie m.E. ohnehin sein sollten: keine Genre-üblichen Selbstverständlichkeiten, mit denen nur die Erwartung an den jeweiligen Musikstil erfüllt werden soll, sondern selbständige Stilmittel zur Untermalung der beabsichtigten Stimmung mit bemerkenswertem Mut zum Crossover. Opeth bieten hier auch dem Hörer, der keine Gruntvocals mag, die Chance, sich an sie zu gewöhnen und sie zu akzeptieren, wenn er sie gewissermaßen als ?Instrumente? wahrnimmt, die zu dem, was Opeth mitteilen wollen, einfach dazugehören.
Schon vor zwei Jahren habe ich mal geschrieben, wenn Death- und Doom-Metal je richtig gesellschaftsfähig werden und in bildungsbürgerlichen Konzerthäusern gespielt werden sollten, dann werde sich diese Musik wahrscheinlich ein wenig wie die von Opeth anhören. Ich freue mich heute darüber, dass von Opeth jetzt ein Album vorliegt, zu dem diese These noch viel besser passt, als das damals schon der Fall war.
| Anspieltipp(s): |
?Beneath the mire? für Proggies; ??Baying of the hounds? für alle, die bei Opeth bisher vergeblich einen ?Hit? vermisst haben; ?Isolation years? für Porcupine-Tree-Fans. |
| Vergleichbar mit: |
einer gruftigen Sumpfblume, gewachsen aus den besten Samen von Prog und Metal |
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| Veröffentlicht am: |
7.9.2005 |
| Letzte Änderung: |
6.9.2005 |
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Von Anfang an zeichnete Opeth bei aller Düsternis immer eine starke Melodieseligkeit aus. Hinzu kam als Trademark dieses Wechselspiel von klar gespielten und gesungenen Teilen und Teilen, die durch heftiges Trommelfeuer der Blastbeats und entsprechend death-geschwängerte Growls gekennzeichnet waren. Auf Ghost Reveries gelingt es Opeth, ihre stilistische Vielfalt zwischen Death Metal, Folk, Psychedelic, New Artrock und Progmetal in eine bis dato unerreichte Weite auszubauen.
Bei Atonement etwa fallen mir tatsächlich die guten alten Beatles (!) ein, aber insgesamt könnten auch einfach Porcupine Tree Pate gestanden haben, deren Einfluss durch die Präsenz Steven Wilsons auf den vorangegangenen Alben in persona ja ohnehin gegeben war. An seine Stelle tritt als Keyboarder Per Wiberg, der seine Mellotron-, Orgel- und Piano-Sounds absolut passgenau und bereichernd in den Bandsound integriert, ohne dass die Dominanz der Gitarren aufgehoben würde. Wie das Album insgesamt aber zeigt, bleiben Opeth ihren Metal-Wurzeln treu, führen diese allerdings immer wieder über traditionelle Grenzen ins Progressive hinaus.
Unter Proggies "beliebtes" Thema sind die Growls: Ja, die gibt es auch wieder - gleich der Opener setzt heftig damit ein. Aber das Growlen ist nicht mehr so zentraler Bestandteil der Musik von Opeth, sondern wird auf Ghost Reveries mehr zu einem auflockernden Bestandteil, einem (kräftigen) Farbtupfer im Gesamtbild. Ohne Growls würde der Band einfach etwas von ihrem Wesenskern fehlen, wie man auf Damnation hören kann. Tipp für ängstliche Proggies: Wenn man sich ein bisschen eingehört hat, wird man mit der Zeit das Gegrowle zu schätzen wissen und ist irgendwann auch reif für Bands wie Death, Atheist, Meshuggah oder Between the Buried and me, deren bloße Namensnennung einem bislang vielleicht noch die Schweißperlen auf die Stirne treibt... Niemand sollte sich von ein paar Growls abhalten lassen, eins der besten Prog-Alben des Jahrzehnts zu hören.
Durch die große stilistische Vielfalt wird der Härtegrad der Musik zwar eingeschränkt, aber gerade dieser differenzierte Mischmasch macht dieses Album für Proggies so interessant und gut genießbar. Ghost Reveries ist rockige Kunstmusik at its best!
| Anspieltipp(s): |
Ghost of Perdition, Atonement, am besten aber von Anfang bis Ende durchhören! |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
1.7.2011 |
| Letzte Änderung: |
6.3.2012 |
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