Climate of Hunter
|
|
Informationen
Allgemeine Angaben
| Erscheinungsjahr: |
1984 |
| Besonderheiten/Stil: |
ArtPop |
|
| Label: |
Virgin |
| Durchschnittswertung: |
10.5/15 (2 Rezensionen) |
|
Besetzung
| Scott Walker |
Gesang |
| Mo Foster |
Bass |
| Brian Gascoigne |
Keyboards |
| Peter van Hooke |
Schlagzeug |
| Mark Isham |
Trompete |
| Gary Kettel |
Percussion |
|
| Billy Ocean |
Gesang |
| Phil Palmer |
Gitarre |
| Evan Parker |
Saxofon |
| Ray Russell |
Gitarre |
| Mark Knopfler |
Gitarre |
|
Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Rawhide
|
3:56
|
| 2. |
Dealer
|
5:11
|
| 3. |
Track 3
|
3:49
|
| 4. |
Sleepwalkers Woman
|
4:11
|
| 5. |
Track 5
|
3:34
|
| 6. |
Track 6
|
3:11
|
| 7. |
Track 7
|
3:46
|
| 8. |
Blanket Roll Blues
|
3:10
|
| Gesamtlaufzeit | 30:48 |
|
|
Rezensionen

Dies ist also das Album, mit dem die experimentelle Phase von Scott Walker begann und bei dem es sich angeblich um das bis dato am schlechtesten verkaufte Virgin-Produkt handelt (wobei ich anderswo gelesen habe, dass das nur eine Legende sein soll). Jedenfalls waren die Verkaufszahlen nicht so schlecht, um Virgin von einer Remaster-Ausgabe des Albums abzuhalten.
Ich muss sagen, dass ich beim ersten Hördurchgang etwas enttäuscht war. Nicht nur wegen der kurzen Spielzeit von gerade mal 30 Minuten, auch die Musik erschien mir im Vergleich zu Walkers späteren Werken Tilt und Drift eher konventionell. Aber was ist im Angesicht dieser beiden Meisterwerke nicht konventionell?
Sicherlich ist dieses Album nicht so radikal wie die beiden Folgewerke. Konventionell ist Climate of Hunter trotzdem nicht, der Weg zur Avantgarde ist eindeutig beschritten. Schon die Wahl der Songtitel ist einigermaßen merkwürdig: nur vier der acht Songs haben einen richtigen Titel, der Rest ist einfach durchnummeriert.
Die Songs, die meist von Keyboards oder Orchesterklängen dominiert werden, fallen in zwei Kategorien. Die einen sind recht rhythmisch gehalten und folgen am ehesten "normalen" Rock/Pop-Strukturen. Die anderen bestehen aus filigranen Klangteppichen, die sanft und oft rhythmusfrei aus den Boxen zu fließen scheinen, dabei jedoch keinen Wohlklang, sondern eine merkwürdige Unruhe verbreiten - Vorboten der verstörenden Klänge seiner nächsten beiden Alben. Die seltsam flirrenden Klänge von Sleepwalkers Woman und die schrill-dissonanten Orchestereinsätze in Nr. 6 sind die besten Beispiele hierfür, gerade letzteres nimmt Walkers kommenden Stil vorweg. Schließlich werden im titellosen Nr. 5 beide Stilarten kombiniert, nach fließendem Anfang setzt abrupt ein harter, monotoner Rhythmus ein.
Zum Abschluss gibt es die wunderbare Vertonung eines Gedichts von Tennessee Williams. Die Worte "when I crossed the river / with a heavy blanket roll / I took nobody with me / not a soul" scheinen wie geschaffen, um Scott Walkers Weg in seine ganz eigene musikalische Welt zu beschreiben, der mit diesem Album begann. Die Musik zu diesem Stück stammt von dem wenig bekannten Jazzmusiker Kenyon Hopkins. Die einsame, jazzig-bluesige Gitarre von "Dire Straits"-Chef Mark Knopfler, der hier den wohl besten Einsatz seines Lebens gibt, verleiht dem Song die perfekte Südstaaten-Atmosphäre.
Wer die seltsame Welt von Scott Walker erst einmal vorsichtig ertasten möchte, liegt hier richtig. Aber auch die hartgesottenen Fans seiner späteren Alben sollten an Climate of Hunter Gefallen finden. Die sehr kurze Spielzeit ist natürlich ein Manko, aber wenigstens bekommt man die CD bei den einschlägigen Anbietern recht günstig.
| Anspieltipp(s): |
Rawhide, Sleepwalkers Woman |
| Vergleichbar mit: |
|
|
| Veröffentlicht am: |
6.2.2007 |
| Letzte Änderung: |
27.8.2008 |
|
|
|
Zum Seitenanfang

"Climate of Hunter" ist sicher keine normale Popscheibe, auch wenn sie auf den ersten Blick, oder aufs erste oberflächliche Reinhören eine solche zu sein scheint. Vielmehr bietet die Scheibe eine recht eigenartige Mischung, von der ich mir recht gut vorstellen kann, dass sie sich nach dem Erscheinen nicht sonderlich gut verkauft hat. Zu Walkers charakteristischer Stimme, die noch lange nicht so verzweifelt wirkt wie auf "Tilt" und "The Drift", kommt der butterweiche Bass von Mo Foster, vielfältige Keyboardflächen, ab und zu einige angeschrägte Streicher und diverse instrumentale Einwürfe (von Blasinstrumenten und E-Gitarre z.B. - gespielt von durchaus bekannten Grössen wie z.B. Evan Parker und Ray Russell), aber oft auch ein sehr 80er-Jahre-typisches, ziemlich einfallsloses Bumsdada-Schlagzeug.
Zeittypische Popsongs, oder Fragmente derselben, treffen auf tastendominierten Artrock(pop), und beides wird durch zeitgenössisch-klassische, milde avantgardistische Elemente angereichert (die Einlagen von Streichern und Bläsern, solistisch oder im orchestralen Verbund), besonders effektvoll und prägend in "Six" durch das schräge Holzbläsergewimmer. Entfernt ähnelt das bisweilen der Musik die Japan gegen Ende ihrer Karriere gemacht haben, bzw. die der verschiedenen Nachfolgeprojekte der ehemaligen Musiker dieser Band (gerade der Bass erinnert bisweilen an das Spiel von Mick Karn). Über allem schwebt aber das beherrschende Organ von Walker, das sich irgendwo auf halbem Weg zwischen nicht mehr schmalzigen Crooning und von der modernen Klassik inspiriertem Liedgesang befindet.
Leicht dissonant wirkt Walkers Gesang meist, gerade so, als hätte jemand die Vokallinien eines dodekaphonischen Liedes über Popsongs gelegt. Vielleicht liegt auch gerade dort eine der Inspirationsquellen Walkers. Wenn man z.B. den in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstandenen Liedzyklus "The Aftermath" von Benjamin Frankel anhört (einem der handvoll britischer Komponisten, die sich der 12-Ton-Technik gewidmet haben), so kommt man nicht umhin eine gewisse Ähnlichkeit zu Walkers avantgardistischeren Nummern ("Sleepwalkers Woman" z.B. oder "Six") festzustellen. Zudem atmet Frankels Werk eine ähnlich desperate und düstere Stimmung aus, wie sie sich oft in Walkers neuerer Musik findet. Mich würde ja einmal interessieren, ob Walker Frankels Musik kennt.
Ansonsten kann ich Jochen nur zustimmen (auch wenn ich Knopflers verhaltenes Geklampfe im letzten Stück nicht für so weltbewegend halte): Wer das Spätwerk von Walker nicht kennt, daran etwas ändern, aber nicht sofort ins eiskalte Wasser von "Tilt" und "The Drift" springen möchte, der sollte mit "Climate of Hunter" beginnen!
| Anspieltipp(s): |
|
| Vergleichbar mit: |
|
|
| Veröffentlicht am: |
17.2.2007 |
| Letzte Änderung: |
21.2.2007 |
|
|
|
Zum Seitenanfang
Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Scott Walker
Zum Seitenanfang
|