Keith Emerson Band featuring Marc Bonilla
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Informationen
Allgemeine Angaben
Besetzung
| Keith Emerson |
Piano, Organ, Keyboards, Accordion |
| Marc Bonilla |
Vocals, Giutars, Bass, Harmonica |
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| Gregg Bissonette |
Drums, Percussion |
| Bob Birch |
Bass |
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Gastmusiker
| Travis Davis |
Bass on "The Parting", Harmony Vocals |
| Joe Travers |
Drums on "The Art of falling down" |
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| Keith Wechsler |
Jew's Harp on "Gametime" |
| Nathanial Bonilla |
Recorder on "The Parting" |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
The House of Ocean Born Mary
1. Ignition 1:42 2. 1st Presence 0:37 3. Last Horizon 2:33 4. Miles Away pt1 1:55 5. Miles Away pt2 2:16 6. Crusaders Cross 1:14 7. Fugue 0:37 8. 2nd Presence 0:19 9. Marche Train 6:13 10. Blue Inferno 1:12 11. 3rd Presence 1:08 12. Prelude To A Hope 2:24 13. A Place To Hide 4:26 14. Miles Away pt3 2:31 15. Finale 5:57
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| 2. |
The Art Of Falling Down
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3:30
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| 3. |
Malambo
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5:33
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| 4. |
Gametime
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2:40
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| 5. |
The Parting
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4:45
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| Gesamtlaufzeit | 51:32 |
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| Disc 2 |
| 1. |
Prelude to a Hope
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| 2. |
Documentary
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| 3. |
Photo Gallery
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| 4. |
Karn Evil 9
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| 5. |
Piano Concerto
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| 6. |
Living Sin
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| 7. |
Bitches Crystal
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Rezensionen

Es ist schon interessant, wie stark der Erfolg der ganzen Retroprog-Bands von dem abhängt, was die erste Generation der Progressive Rocker so macht. Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen ? die dann auch gleich so sehr Ausnahmen sind, dass sie von keiner der Retrobands auch nur annähernd erreicht werden ? legt die alte Garde ein mieses Album nach dem anderen vor: Yes mit allen ihren Ablegern (Circa:, Remedy, White, Conspiracy), Renaissance, Genesis, einige andere gibt?s gar nicht mehr (ELP, Gentle Giant und so weiter). Nicht mal solo kriegen die alten Herren noch ein künstlerisches Bein auf den Boden. Es ist doch komisch, dass bei den immerhin doch beachtlichen Output der über-50-Jährigen praktisch nichts dabei ist, was man wenigstens mit gutem Willen als gut ? oder doch zumindest als Prog bezeichnen kann.
In dieser Situation lässt ein neues Album von Keith Emerson natürlich aufhorchen. Nachdem Kollege Palmer in den letzten Jahren immerhin ein paar sehr vergnügliche Live-Alben vorgelegt hat (wenn auch nur mit Uraltmaterial) und Greg Lake kläglich worin auch immer untergegangen ist, sind die Hoffnungen bei den Optimisten ebenso groß gewesen wie die Skepsis bei den Skeptikern. Dass Emerson nach seiner Operation langsamer geworden ist, war jedem klar, der ihn seit damals mal "Hoedown" hat spielen hören (müssen) ? aber was hat er kompositorisch noch drauf? Und wozu befähigt ihn die immerhin offenbar fruchtbare Zusammenarbeit mit Marc Bonilla, mit dem er schon vor ? mittlerweile muss man sagen ? Jahrzehnten um die Konzerthäuser gezogen ist?
"Keith Emerson Band featuring Marc Bonilla" ? immerhin kriegt Emerson den Preis für den nichtssagendsten Albumtitel, den es je gab. Aber er kriegt auch den Preis für den besten Bon-Jovi-Lookalike seit ... Egal: Zu seiner Zeit galt eh: Je hässlicher der Musiker, umso besser ist er. Gilt das noch heute?
Nun, spielen kann er noch ? und wie! Und Emerson lässt sich nicht lumpen. Er packt all den alten Kram wieder aus: Die C3, den Konzertflügel, die Kirchenorgel und ? natürlich ? das Moog Modular System. Dies ist ein Keith-Emerson-Album, und das hört man auch. Die Improvisationen, die Soli, das ist eindeutig Keith Emerson, the one and only. Dieses Album macht Spaß!
Leider gilt das nicht ohne Einschränkung für die Kompositionen. Nach dem vielversprechenden, fast atonalen Einstieg in den Longtack "The House of Ocean Born Mary", der ein bisschen an die ersten Töne von "Black Moon" erinnert, stellt Emerson zunächst (in ?Last Horizon?) ein Orgelmotiv vor, das den Rahmen für das bildet, was dann kommt. Bis Teil 6, der das Motiv in einer Pianovariante wieder aufgreift, geht dann alles gut, der sehr proggige Einstieg wird mit zwei Songteilen (?Miles away?) verknüpft und eine Überblendung zwischen Teil 3 und 4 stört nicht. Nach ?Crusaders Cross? geht es nun zwar proggig weiter, allerdings zerfällt der Longtrack hier, weil die Teile 6, 7 und 8 völlig unverbunden nebeneinander stehen. In ?Marche Train? leitet dann ein barock inspiriertes Gitarrenmotiv zu einem weiteren - einmal mehr bei Gustav Holst abgeschauten (Gunnar, danke für den Hinweis) Songteil über ? der unversehens ausgeblendet wird! Mitten in einem Longtrack ? das ist eigentlich ein No-go. Danach finden Emerson und Bonilla den Faden nicht wieder: die Teile 10 bis 12 stehen in keinerlei Zusammenhang, und auch das Finale wirkt wie angeklebt. Mögen die einzelnen Parts gut sein, Einiges davon sogar hervorragend, eine Einheit bildet "The House of Ocean Born Mary" ganz und gar nicht. An der vertonten Gespenstergeschichte von Marion Lowndes kann's nicht liegen, ich habe sie mittlerweile gelesen, und sie ist alles andere als fragmentarisch, sondern im Gegenteil sehr zusammenhängend und entsprechend flüssig zu lesen. Seltsam auch, dass sich weder die Songtitel noch die wenigen Lyrics auf irgendwelche Inhalte der Geschichte beziehen lassen. Titel wie "Crusaders Cross" oder "Marche Train" scheinen gar aus vollkommen anderen Zusammenhängen zu stammen. Unabhängig davon: ein Longtrack muss auch rein musikalisch überzeugen, und das tut er ganz und gar nicht. In Kenntnis der Geschichte muss man im Gegenteil sogar fragen, ob man es hier überhaupt mit einem als solchen geplanten Longtrack zu tun hat, umso mehr als dieser nur im Booklet als solcher gekennzeichnet ist, nicht aber auf der Rückseite der CD. Es beschleicht einen der Eindruck, dass hier mit ziemlicher Mühe Zusammenhangloses unter einem relativ beliebigen Titel zusammengehängt wurde.
Das Album als Ganzes, obwohl bis zum Schluss eindeutig ein Progalbum, ist darüber hinaus zudem für Emersonsche Verhältnisse streckenweise doch allzu konventionell. Gerade ?The Art of Falling Down? oder ?The Parting? sind vollkommen belanglose Songs, die im Werk Emersons keinerlei Spuren hinterlassen dürften ? und dies gilt leider auch für einige ? wenige! ? Passagen des Longtracks.
Das klingt jetzt allzu negativ ? so ist es aber gar nicht gemeint. Denn das, was Emerson spielt, ist toll, man vermisst nur leider allzu oft das, was er nicht spielt. Obwohl "Keith Emerson Band featuring Marc Bonilla" weit besser ist als etwa "In the hot Seat", "Black Moon", "Works II" oder "Love Beach", kaum etwas reicht etwa an die Klasse von Stücken wie "Trilogy", "The Three Fates" oder "Tarkus" heran, Emerson scheint den Kunstanspruch weitgehend aufgegeben zu haben, und sich dem ?Rock? in ?Progressive Rock? verschrieben zu haben. Die avantgardistischen Elemente, die ELP zu weit mehr als einer Rockband machten, fehlen hier. Selbst "Malambo", immerhin ein Ginastera-Stück, ist als "Klassik"-Adaption eigentlich nicht so richtig zu erkennen. Das ist zunächst mal gar keine schlechte Idee, war doch nicht alles, was in den 70ern mit großem Kunstanspruch vorgetragen wurde, in dieser Hinsicht auch konsistent gewesen. Andererseits fehlt auch so ganz Eingängiges, ich persönlich mochte das ELPowell-Album in dieser Hinsicht gern, oder "Close to Home" von "Black Moon", die simplen Sachen hier (wie die genannten ?The Art of Falling Down? oder ?The Parting?) sind einfach zu blass.
Ist dieser Vergleich mit den früheren, teilweise legendären Bandunternehmungen unfair? Sollte man "Keith Emerson Band featuring Marc Bonilla" nicht besser mit Emersons Solowerken vergleichen? Eigentlich nicht, denn dieses Album hat einen klaren Bandcharakter, es ist kein Soloalbum. Aber wem das was sagt: auch an "Inferno" oder "Iron Man" kommt es nicht heran.
Woran liegt es, dass man den Eindruck hat, das Album könne künstlerisch nicht ganz mit diesen Sachen mithalten? Dieses Album rockt. Und das tut es richtig gut. Die Frühwerke taten das nicht ? jedenfalls zu selten. Und es rockt, obwohl das Album als klassisches (Emerson-)Progalbum daherkommt: Ein 15-teiliger Longtrack, literarisch inspiriert, eine Klassikadaption, ein Saloon-Klavierstück ("Gametime") und Bombast an allen Ecken und Enden. Was mir fehlt, ist einfach das Stück klassisch inspirierter Komplexität, die Keith Emerson von fast allen seiner 70er-Jahre-Kollegen unterschied, diese Fähigkeiten, die die Qualität der frühen ELP-Scheiben ausmachte. Um zu zeigen, dass nicht jeder "alte Sack" ausgebrannt ist, reicht das locker, aber um das Ereignis zu sein, das dieses Album hätte werden können, ist es nicht genug.
Noch ein Punkt. Man ist sich beim Hören manchmal unsicher, ob man hier klassischen Prog vor sich hat oder nicht eher Retroprog. Beim genaueren Hinhören wird der Unterschied allerdings nur allzu deutlich: Die harmonische Sprache, über die der von Klassik und Jazz geschulte Emerson verfügt, ist derart weit elaborierter als alles, was die leidigen Retrobands zu bieten haben, dass er deren Keyboarder, aber auch ? trotz der angesprochenen kompositorischen Schwächen - deren Komponisten auf diesem Gebiet allein mit ein paar Akkorden der linken Hand locker in die Tasche steckt. Ein Album also, das ohne weiteres mithalten kann mit dem ganzen rückwärtsgewandten schwedisch-amerikanischen Output, und das durchaus einen Platz in der heutigen Progwelt hat. Ein Album zudem, das den ganzen anderen "alten Säcken" (denen, auf die dieser Ausdruck wirklich zutrifft) zeigt, was sie mit ein bißchen mehr Anstrengung leisten könnten (und sollten) - Dafür sorgen schon allein die herausragenden spielerischen Leistungen der Ausnahmemusiker Emerson und Bissonette. Aber eben auch ein Album, das nicht ganz das zeigt, was sein Schöpfer kann.
Für alle, die ähnlich mäkelig sind wie ich, sei noch auf die (nicht allen Versionen beiliegende) DVD verwiesen, die neben der unvermeidlichen Fotogalerie und einem halbwegs interessanten Making-of einige Liveaufnahmen der Keith-Emerson-Band von 2006 präsentiert. Die vier Klassiker kommen sehr druckvoll rüber, das gilt vor allem für das komplett neu arrangierte "Piano Concerto", das von der ganzen Gruppe gespielt wird. Sowas in der Art, das hätte mir auf dem neuen Album besser gefallen.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
29.8.2008 |
| Letzte Änderung: |
9.4.2009 |
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Nach mittlerweile ziemlich vielen Durchläufen funktioniert die Platte bei mir immer nach dem gleichen Muster. Es gibt eine längere Strecke mehr oder weniger gelungenen Vorgeplätschers - und erst beim "Finale" horche ich auf. Da dieses Finale aber nicht das Finale der CD, sondern bloß das Finale eines Longtracks ist, ist die Sache damit noch nicht zu Ende. Es folgen vielmehr drei, vier weitere ganz unterhaltsame Stücke, manche nur "Lieder", aber auch das ambitioniertere Malambo.
Damit habe ich zwar die Platte mitten durchgeschnitten - an einer Stelle, die sogar quer durch den angesprochenen "Longtrack" läuft. Aber ich kann den Grund angeben, warum ich erst jetzt aufhorche: Die Stücke 15-19 klingen massiv so, als sollte hier noch einmal eine klassische ELP-Scheibe, wenn auch im Leichtbauverfahren nachgebastelt werden. Emerson bedient sich kompositorisch vieler irgendwie vertrauter Wendungen, der Gesang ist - wie allerdings überhaupt auf der CD - stark auf den Greg Lake-Gestus hingetrimmt, die Stückefolge plant eine "Adaption" und eine typische, sogar allzu typische Saloon-Nummer mit ein, und die Musik geht insgesamt einigermaßen munter ab.
Bis zum "Finale" ist die Platte für meine Begriffe hingegen reichlich unausgewogen, es blitzen zwar immer wieder für ein, zwei Minuten bessere Momente auf, aber man muss sich dazwischen auch durch Kram wie "Marche Train", "A Place to Hide" etc. quälen und hat daher nichts, was man auf längere Strecke mit Spaß hören kann. Die schwachen Gesangsmelodien und die viel zu laut aufgenommene Stimme des Sängers sind dabei besonders störend. Kompositorisch ist der eröffnende Longtrack außerdem weitgehend das, was er möglichst nicht sein sollte - nämlich Stückwerk.
Was Dominik zum Verhältnis dieser CD zum sog. Retroprog schreibt, scheint mir dennoch sehr treffend. Emerson ist mit dieser CD zweifellos besser als der Großteil aus der Abteilung Floki und Co. Denn trotz aller Mängel verarbeitet er sein Material insgesamt dichter. Die Musik wirkt daher lebendiger, nicht so zäh und müde wie so vieles von dem, was es in der Vergangenheit an Retroprog gegeben hat, der ja längst selbst in die Jahre gekommen ist.
Aber auch mir sticht der fehlende "Kunstanspruch" (wer will, kann sich gern ein anderes Wort dafür ausdenken), arg in die Ohren. Ich sags mal so: Mit "Werken" - und Mr. Emerson war´s ja, der uns einst mit diesem Ausdruck bewarf - hat das nun gar nichts zu tun. Es ist eine teilweise ganz hübsche Werkelei. Liebevoll ausgedrückt: Eine Meisterwerkelei.
| Anspieltipp(s): |
Finale |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
22.9.2008 |
| Letzte Änderung: |
9.3.2012 |
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