Chessboard
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Informationen
Allgemeine Angaben
Besetzung
| André Mello |
keyboards, vocals |
| André Ribeiro |
bass, acoustic guitar |
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| Ary Moura |
drums |
| Henrique Simoes |
guitars |
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Gastmusiker
| José Roberto Crivanno |
guitar |
| Mirna Bertling |
vocals |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Pontos de Fuga: Part I
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1:12
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| 2. |
Pontos de Fuga: Part II
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3:27
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| 3. |
Unfair world
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7:58
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| 4. |
Only to be with you
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10:07
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| 5. |
The princess: My princess
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4:23
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| 6. |
The princess: Tears from the sky
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3:20
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| 7. |
Chessboard: The game of life
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11:03
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| 8. |
Chessboard: The leaving
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8:27
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| Gesamtlaufzeit | 49:57 |
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Rezensionen

Wenn ich das nächste Mal in Manaus am Amazonas vorbeikomme, muss ich mich mal im Büro des "Masque"-Labels vorstellen und nachfragen, wo Tempus Fugit ihr Aufnahmestudio haben - das dient mir dann zur Weiterbildung, selbst wenn ich vom Amazonas kaum noch was mitbekommen sollte...
Dort kann man nämlich bestimmt was lernen. Aber auch ich als der Reisemuffel, der ich in Wirklichkeit bin, kann von "Chessboard", dem neuen Album von Tempus Fugit, schon zuhause eine ganze Menge lernen, und weil "getting wiser so much fun" ist, wie Anthony Phillips einst formulierte, kann ich von der Lektion kaum genug bekommen. Man lernt hier - kurz gesagt - die Kunst des Produzierens von Musik, wie sie in europäischen Produktionen schon lange nicht mehr selbstverständlich ist.
Und ich lerne vor allem was über den Zeitfaktor: neun ganze Jahre hat die Band für dieses eine 50-Minuten-Album benötigt, sieben für die Aufnahmen und weitere zwei bis zur endgültigen Veröffentlichung, und jede Minute davon war diese Jahre wert: die Produktion von "Chessboard" ist ein dem Amazonas würdiges Abenteuer. Ich habe seit Jahren kein Album mehr gehört, bei dem ich selbst mit einem billigen CD-Player das Gefühl habe, dass ich mich in einem Livekonzert befinde - vor allem Bass und Drums sind so ausgewogen aufeinander abgestimmt, dass man beide genießen kann, als stünde die Band direkt vor einem - so eine Produktion ersetzt einem geradezu den Bergkeller Reichenbach (wo Tempus Fugit glatt mal spielen müssten, wenn der Weg aus Brasilien nicht so weit wäre).
Okay, ich weiß: wenn mir was gefällt, neige ich zum Schwärmen. Aber das ist ja auch kein Wunder angesichts der vielen Prog-Neuerscheinungen, die sich vor allem durch Belanglosigkeit hervortun, wobei die Belanglosigkeit oft an kompositorischer Ideenlosigkeit liegt, welche wiederum an mangelnder Ausgereiftheit liegt, welche auch durch Produktion nicht mehr kaschierbar ist: es wäre m.E. wünschenswert, dass öfter mal neun Jahre für ein Album ins Land gehen würden, wenn dann schließlich so ein Ergebnis dabei herauskäme.
Natürlich besteht die Musik nicht nur aus ihrer Produktion, sie muss ja auch einen inhaltlichen Stil haben. Viele Worte müsste ich eigentlich darüber nicht mehr verlieren - ein Blick auf das Cover sollte genügen, um optisch eine bestimmte Sorte Neoprog ausmachen zu können. Auch das Stichwort "Südamerika" kann mittlerweile prog-mäßig zugeordnet werden: wer Chaneton kennt, kann sich - immer noch in Kombination mit dem Cover - sicher die grundsätzliche Richtung denken. Wer nun doch noch erklärende Worte braucht, dem sei dezent angedeutet: falls Carlos Santana eine Marillion-Tribute-Band gründen würde und mit dieser Band auch noch eigenes Material kreieren sollte, dann dürfte das Ergebnis ähnlich klingen.
Soll heißen: die bombastischen Keyboards dominieren zwar die Hintergründe des Geschehens, sie füllen quasi die potentiellen Leerräume im Sound, aber den Vordergrund beherrscht die Gitarre - und es ist in Worten nicht darstellbar, was dieser Gitarrist technisch-virtuos leistet, egal, ob er nun die akustische oder elektrische in die Finger kriegt, er klingt wie Santana als Prog-Star. Und obwohl ihm das nicht mal Steve Rothery nachmachen könnte, hat die Musik einen Einschlag in Richtung Marillion, wobei das nicht übertrieben wird; eine Klonband im unangenehmen Sinn des Wortes ist Tempus Fugit sicher nicht. Am deutlichsten wird diese Orientierung noch im Titeltrack zum Schluss, aber auch hier - siehe die nötige Reifezeit von neun Jahren - steht der Song mit seinem angenehmen und dennoch heavy-rockigem Bombast weit entfernt vom Epigonentum. Das ist so ein Track, den man nach einem Hördurchgang gleich wieder hören will, um die nächste Raffinesse darin zu entdecken und sich zugleich vom bereits Erfassten mitreißen zu lassen.
Die anderen Tracks des Albums sind alle sehr melodisch (Frickel-Freaks kommen nur dann auf ihre Kosten, wenn sie gleichzeitig Melodie-orientierte Gitarren-Fans sind), aber immer wieder fällt positiv auf, wie viel Raum dem Bass zu seiner Entfaltung eingeräumt wird - produktionstechnisch wie auch musikalisch strukturierend - und was sich aus einem Song herausholen lässt, wenn seine (jahrelang gereifte) Grundidee ergiebig abgeerntet wird.
Ich ahne schon: Tausende Progfans werden dieses Album belanglos finden.
Und ich ahne schon: In meinen alten Tagen werde ich es noch immer hervorkramen - sozusagen für die brasilianischen Momente im Proggy-Leben...
| Anspieltipp(s): |
Der erste Teil vom zweigeteilten Titeltrack "Chessboard" |
| Vergleichbar mit: |
Nexus' melodischem "From the abyss to the sun", und jetzt das Ganze auf gitarren-virtuoser Albumlänge! Oder leichter formuliert: wie Santana, wenn er Marillion-Verehrer wäre... |
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| Veröffentlicht am: |
7.11.2008 |
| Letzte Änderung: |
17.5.2012 |
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