Kokkyo Junreika
|
|
Informationen
Allgemeine Angaben
|
|
| Label: |
Victor |
| Durchschnittswertung: |
11/15 (1 Rezension) |
|
Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Echigo tsutsuishi oyashirazu
|
5:29
|
| 2. |
Tenshoutan
|
4:14
|
| 3. |
Haha koishiya sangoshou
|
4:34
|
| 4. |
Kyoujo bushi
|
2:56
|
| 5. |
Eimei shihen
|
2:51
|
| 6. |
Wasan
|
7:30
|
| 7. |
Jinriki hikouki no tame no enzetsu souan
|
6:23
|
| 8. |
Minkan iryou jutsu
|
11:46
|
| 9. |
Ootori no kuru hi
|
7:51
|
| Gesamtlaufzeit | 53:34 |
|
|
Rezensionen

Eigentlich sollte jeder, der über japanischen Prog schreibt auch Japanisch (lesen) können. Die meist umfangreichen Beihefttexte der CDs aus Fernost, insbesondere die der diversen CD-Reissues "historischen" Materials aus den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, enthalten sicher viele interessante Informationen, die man ansonsten nicht einmal im weltweiten Netzt findet (zumindest nicht in einer lesbaren Sprache). Die Bandinformationen über japanische Gruppen und Musiker auf den BBS sind daher oft recht knapp ausgefallen. Unklarheiten und Fehler sind häufig - das fängt schon mit der (eingedeutschten oder anglisierten) Schreibweise der Band-, Alben- und Musikernamen an.
J.A. Caesar ist auch so ein schwieriger Fall. Schon der Name macht Probleme. Als J.A. Caesar, J.A. Seazer und J.A. Ceasar findet man den mitunter geschrieben. Das J.A. steht dabei offenbar für Julius Arnold. Geboren wurde der Japaner als Taka´aki Terahara (oder so ähnlich). Ursprünglich studierte dieser in der zweiten Hälfte der 60er Jahre in Tokio Graphik und Design, schloss sich dann aber dem Theaterproduzenten, Filmregisseur und Poeten Shuji Terayama und dessen Bühnentruppe Tenjo Sajiki an und arbeitet sich zu deren musikalischem Direktor hoch.
Seit den frühen 70ern hat Caesar, mit oder ohne Tenjo Sajiki, diverse Tonträger veröffentlicht, als LP oder Tonbandkassette, die teilweise seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts (meist nur in Japan) auf CD wieder veröffentlicht wurden. Dabei ist es, zumindest wenn man nicht-japanische Diskographien studiert, nie so ganz klar wie die fraglichen Alben genau heißen, bzw. der Titel geschrieben wird, unter welchem Namen das Ganze erschienen ist und besonders wer darauf zu hören ist.
Das 1973 erschienene "Kokkyo Junreika" wurde wohl als J.A.-Caesar-Album veröffentlicht, wobei hier angeblich Caesar und (s)eine Band namens Akuma no Ie und natürlich (vermutlich) Mitglieder von Tenjo Sajiki zu hören sind. Mitunter taucht die Scheibe auch als "Recital - Kokkyo Junreika" auf, oder als "Kokkyo Junreika" von J.A. Caesar Recital. Das mir vorliegende, wie immer sehr hübsch aufgemachte Mini-LP-Reissue von Belle Antique (aus dem Jahre 2006) verfügt über zwei recht umfangreiche Beihefte (das eine ist vermutlich die Reproduktion der originalen LP-Beilage, das andere das moderne CD-Beiheft), doch das einzig lesbare sind die Jahreszahlen 1973 und 2006, die Buchstaben J und A, eine Telefonnummer, eine Faxnummer, Belle und Victor (letzteres das Label, auf dem die LP ursprünglich erschienen ist). Wer hier womit musiziert lässt sich nicht ermitteln; die Trackliste stammt aus dem Internet.
Zur Musik! Eine sehr eigene Mischung aus Psychedelischem, schrägem Gerocke, Meditativ-Krautverwandtem, Orgelprog, Japanischer Folklore und Pop gibt es hier zu hören, die sich auch durch das reichliche Vorkommen von teils recht expressiven Gesangseinlagen, Deklamationen und Rezitationen auszeichnet. Die Alben von Caesar und Tenjo Sajiki sind meist Destillate von Musiktheaterproduktionen und die Aufführung von "Kokkyo Junreika" soll ungekürzt über fünf Stunden gedauert haben (angeblich wurde in Japan auch eine längere Version auf CD veröffentlicht). Das hier rezensierte Album ist somit eine Art von Best-off-Kondensat der ursprünglichen Bühnenkonzepts und vielleicht auch generell des Stiles von Caesar und Mitmusikern der frühen 70er Jahre.
Ein mehr oder weniger homogenes Gemenge an angloeuropäischen Rockstrukturen der frühen 70er Jahre und für europäische Ohren recht ungewöhnlichen, oft ziemlich schräg und fremdartig wirkenden Japanischen Theater- und Liedstrukturen wird hier geboten, das durchaus einige konzeptionelle Parallelen zum damals aktuellen Krautrock hat. Man könnte das Ergebnis vielleicht als Sakerock (oder Sushirock) bezeichnen.
In Verbindung mit der Musik von Caesar taucht immer mal wieder Wort Zeuhl auf. Ungerechtfertigter Weise, wie ich finde. Choreinlagen von etwas hektisch deklamierenden Japanern und Japanerinnen wecken wohl immer gewisse Erinnerungen an Zeuhl, doch sehe ich hier keine wirklichen stilistischen Parallelen. Das ist wohl eher eine leichte musikalische Konvergenz. Die typischen rhythmischen Strukturen des Zeuhl, neoklassische Schemen à la Orff und Stravinsky und schließlich auch die jazzige Tastengrundlage fehlen hier.
Angeblich ist dies das Caesar-Album (ich kennen natürlich nur einen Bruchteil derselben) auf dem die Verschmelzung von Gesprochenem und Musik am homogensten ausgefallen ist. Es gibt kaum Abschnitte mit reinen Textpassagen (wie man sie z.B. auf "Shintokumaru" des Öfteren findet), Dialoge und Textrezitationen werden immer ausgiebig von Musik begleitet. Wer somit die seltsamen Klangwelten von J.A. Caesar kennen lernen möchte (und das ist dem an wirklich progressiven Klängen aus den 70er Jahren interessierten Leser durchaus zu empfehlen), der sollte zu "Kokkyo Junreika" greifen!
| Anspieltipp(s): |
|
| Vergleichbar mit: |
|
|
| Veröffentlicht am: |
2.11.2011 |
| Letzte Änderung: |
9.8.2012 |
|
|
|
Zum Seitenanfang
Zum Seitenanfang
|