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Amon Düül

Psychedelic Underground

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1969 (CD-Reissue Repertoire Records)
Besonderheiten/Stil: improvisiert; Krautrock; Psychedelic
Label: Metronome
Durchschnittswertung: 8.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Rayner Bauer Elektrische 12 Strings,Gesang
Ulrich Leopold Elektrischer Bass,Gestrichener Bass
Helge Filanda Konga,Ambor,Gesang
Krischke Trommel,Piano
Eleonora Romana Bauer Schüttelrohr,Trommel,Gesang
Angelika Filanda Trommel,Gesang
Uschi Obermeier Maracas

Tracklist

Disc 1
1. Ein wunderhübsches Mädchen träumt von Sandosa 17.03
2. Kaskados Minnelied 2.53
3. Mama Düül und ihre Sauerkrautband spielt auf 2.50
4. Im Garten Sandosa 7.48
5. Der Garten Sandosa im Morgentau 8.06
6. Bitterlings Verwandlung 2.30
Gesamtlaufzeit41:10


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 3)


Das Debütalbum der radikalen Amon Düül-Fraktion, angeblich das Resultat einiger Jam-Sessions von 1968.

Übersteuerte, fast alles übertönende Gitarren, tranciges Getrommel, improvisierter, mehrstimmiger, meistens kaum hörbarer Gesang, das alles zu einem punkigen, kreativen Brei verschmolzen. So könnte man das Stück "Ein wunderschönes Mädchen träumt von Sandosa" beschreiben. Das Mädchen hätte einiges zu berichten gehabt aus Sandosa, dessen bin ich mir sicher. Kurzzeitig, als ein beiläufiges Zwischenspiel, wird ein Piano eingeblendet, dazu hört man einen vorbeifahrenden Zug. Im weiteren Verlauf werden die fast im Gitarrengetümmel untergehenden Stimmen immer ungehaltener.

"Kaskados Minnelied" fällt etwas ausgewogener aus, zu den allzeit präsenten Gitarrenakkorden gibt es etwas Streichbass. "Mama Düül..." dreht sich um wiederkehrende Gesangsmotive und beinahe polyrhythmisches Schlagzeugspiel, dabei kommt mir Ginger Baker in den Sinn."Der Garten..." kommt ausnahmsweise mal ohne Schlagzeug aus, zu den simplen Gitarrenakkorden gibt es heulende, klagende Stimmen, die sich offensichtlich aller Formzwänge entledigt haben.

Auf "Bitterling Verwandlung" kommt es nochmal zu einer dramatischen Zuspitzung : zum halsbrecherischen Tempo werden zusätzlich - scheinbar einer Fremdaufnahme entliehene - collageartige, fast außer Kontrolle geratene Chöre dazugemischt.

Eine in ihrer ungestümen Kompromißlosigkeit faszinierende Platte, die mit bescheidenen instrumentalen Fähigkeiten bestrittene, obsessiv-abgefahrene, auf wenigen Akkorden basierende Soundorgien anzettelt.

Anspieltipp(s): Ein wunderhübsches Mädchen träumt von Sandosa,Bitterlings Verwandlung
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 16.9.2002
Letzte Änderung: 16.9.2002
Wertung: 10/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 3)


Achtung! Diese Platte ist eine Legende! Ein historisches Ereignis! "Psychedelic Underground" gilt allgemein als erstes deutsches Rockalbum, als die Geburtsstunde des Krautrock. Zwar kamen "Monster Movie" von The Can, "Electrip" von Xhol Caravan und "Phallus Dei" der Dissidenten von Amon Düül II auch 1969 heraus, doch war "Psychedelic Underground" wohl einige Monate früher dran und wurde zudem schon 1968 eingespielt.

Im Vergleich zu den eben genannten Alben hat "Psychedelic Underground" aber ein ungleich niedrigeres Niveau. Hier rumpelt und schrammelt eine absolut weggetretene Ansammlung von "Musikern" vor sich hin. Bewusstseinerweitert durch ausreichende Dosen an Lysergsäurediäthylamid, erstmals synthetisiert und vertrieben vom Basler Chemieunternehmen Sandoz (siehe einige der Songtitel), jammen die Düüls frei dahin. Auch Toningenieur und/oder Produzent müssen sich in einem abgehobenen Zustand befunden haben, denn klangtechnisch ist das Gebotene ähnlich primitiv und wüst wie der musikalische Inhalt und zudem furchtbar übersteuert. Das Ganze hört sich so an, als würden The Velvet Underground, Jefferson Airplane und die Stones total zugedröhnt in irgendeinem Keller durcheinanderjammen. Dazu bereichert noch jemand das Klangspektrum durch einige Tonbandaufnahmen, so z.B. das klitzekleine Chrorfragment aus "Oh Du schöner Wehehesterwald" zu Beginn von "Bitterling Verwandlung", viel Hall und diverse elektro-psychedelische Soundeffekte. Ähnlich kaputte Musik haben wohl nur die Godz aus New York zur selben Zeit gemacht.

"Psychedelic Underground" bietet ein ausgesprochen durchgeknalltes "Freak Out", welches auf eigenartige Weise Schundiges und Geniales miteinander vereinigt: Kreativer Rockmüll sozusagen. So recht geniessen kann man dieses rohe Chaos auf Dauer nicht, doch kann man auch nicht leugnen, dass das Album eine gewisse faszinierede, ungezwungen-ausgelassene Atmosphäre verströmt. Wer sich für die Geburtsstunde des Krautrock interessiert, der sollte "Psychedelic Underground" einmal gehört haben!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.7.2006
Letzte Änderung: 13.7.2006
Wertung: 8/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 3 von 3)


Auf dem Album Psychedelic Underground ist Amon Düül bereits im Verfallsstadium zu hören.

Die im Spätsommer 1967 gegründete Schwabinger Musikkommune hat die Psychedelic in Deutschland mit einem sehr speziellen Ansatz rübergebracht. Es ging dabei im Ursprung in guter alter dadaistisch-anarchistischer Manier darum, die Distanz zwischen Hörer und Publikum aufzulösen. Es sollten einfach Menschen auf der Bühne stehen, die miteinander Musik machen, ohne besondere musikalische Vorkenntnisse und Erfahrungen. Dass diese Erfahrungen sich dann mit der Zeit doch einstellen, liegt in der Natur der Sache und begründet den Verfall des originär düülschen Sounds. Den umgekehrten Weg mit vergleichsweise ähnlichem Ergebnis sind zur gleichen Zeit quasi Can gegangen: geschulte Musiker, die versucht haben, den Geist kreativer Anarchie in die Rockmusik zu bringen.

Wie Mama Düüls Sauerkrautband im Zustand relativer musikalischer Unschuld geklungen haben muss, davon sind keine Aufnahmen erhalten. Nach Ingeborg Schober beschreibt ein Besucher des ersten Düül-Konzertes 1968 im Lichthof die Performance so: "Den Leuten ist einfach der Kopf weggeflogen. Und das waren Studenten, die hatten noch nie was von Popmusik gehört. Und die sind ausgeflippt. Da war eine Identität da: Wildheit, Nonchalance, Kinder trommelten, Frauen trommelten. Das war revolutionär. Alles danach war nur noch Abklatsch..." (Tanz der Lemminge, S. 43) Am nächsten dürfte dem aber eben das kommen, was auf den ersten Alben von Amon Düül und Amon Düül II enthalten ist, auch wenn da schon ein gutes Maß Eingespieltheit dabei ist.

Die Verquickung der beiden Düül-Formationen Ende der 60er wird übrigens auch bei dem Stück Der Garten Sandoza im Morgentau deutlich. Teile hiervon fanden nämlich beim Düül II-Song Dem Guten Schönen Wahren vom Album Phallus Dei Verwendung.

Mir persönlich ist diese erste Düül-Scheibe - im Gegensatz zu der von Amon Düül II - jedoch zu stressig und der Sound zu breiig. Ein Erlebnis ist sie aber allemal.

Anspieltipp(s): Hör, was du willst!
Vergleichbar mit: Hapshash and the Coloured Coat Featuring The Human Host and the Heavy Metal Kids (1967)
Veröffentlicht am: 11.6.2009
Letzte Änderung: 6.7.2012
Wertung: 8/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Amon Düül

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1970 Paradieswärts Düül 9.00 2
1970 Collapsing 3.00 1
1971 Disaster 4.00 1

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