Mirage
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Informationen
Allgemeine Angaben
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| Label: |
Brain Metronome |
| Durchschnittswertung: |
11.8/15 (5 Rezensionen) |
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Besetzung
| Klaus Schulze |
synthesizers |
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Tracklist
| Disc 1 |
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Velvet voyage
1. 1984 2. Aeronef 3. Eclipse 4. Evasion 5. Lucidinterspace 6. Destinationvoid
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28:28
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| 2. |
Crystal lake
1. Xylotones 2. Cromwaves 3. Willowdreams 4. Liquidmirrors 5. Springdance 6. A bientot
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29:16
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| 3. |
In cosa crede chi non crede?
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19:39
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| Gesamtlaufzeit | 77:23 |
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Rezensionen

Nicht umsonst trug ein frühes Album von Klaus Schulze den Titel ?Picture Music?: auch Jahre später auf ?Mirage? ist es die Bildlichkeit allein, über die ich die Musik beschreiben kann, deshalb mag sich der Leser nicht wundern, wenn ich im folgenden eher eine subjektive Bild- als eine objektive Musikbeschreibung abgebe:
Mit dem Untertitel des Albums ?Eine elektronische Winterlandschaft? kann ich eine Menge anfangen: es gibt Tage im Winter, an denen es auch in unseren Breiten nicht richtig hell wird; kalter Nebel hängt über der Landschaft, von dem man denkt, dass er dort eigentlich gar nicht sein dürfte, denn da die Temperatur konstant unter Null liegt, fragt man sich, wieso der Nebel nicht einfach gefriert und als Reif zu Boden rieselt. Das tut er aber nicht; schade, denn das wäre eine gewisse Befreiung aus diesem Gefühl, dass die Welt unfreiwillig eingehüllt ist und man sich unter der gräulichen Decke kaum bewegen kann.
So ziehen die Stunden hin; aber auch an diesem Tag wird es irgendwann Mittag; über der Nebeldecke scheint irgendwo Helligkeit erahnbar zu sein, aber der Nebel löst sich dadurch nicht auf; ganz im Gegenteil, die Decke bleibt so dicht, dass sie das Getrenntsein von der Sonne erst recht unterstreicht. Aber ein gewisses Flimmern liegt in den oberen Luftschichten, es scheint sich was über uns zu entwickeln, etwas Wind kommt auch auf, aber all das zementiert nur das Verharren auf dem Punkt, selbst der größte Optimist könnte es nicht für Bewegung halten.
Eher der Erwartung des Pessimisten folgend bricht diese Komposition aus flimmerndem Licht und feuchter Kälte wieder in sich zusammen, wenn der Abend heraufzieht; das einzig Beständige in diesem Wechsel scheint der kalte Wind zu sein, aber das Licht zerfällt in die nassen Schleier, aus denen es sich scheinbar erhoben hat, und die Undurchdringlichkeit des grauen Mantels wird stärker mit jeder Minute, die den drohenden Abend über das Land ziehen lässt. Und schließlich versinken alle Elemente dieses Tages in einem Strudel aus Wind, beißender Kälte und Dunkelheit...
So in etwa klingt in meinen Ohren ?Velvet voyage?, der erste Teil dieses Schulze-Werks. Ein Wahnsinns-Track; ich wüsste kaum ein anderes Beispiel für die Darstellung solch intensiver Einsamkeit in schneidender Kälte, wie sie hier rüberkommt. Und was den Einsatz der Synthies anbelangt: Schulze benutzt hier keine Sequencer, setzt auch kein Schlagzeug ein ? abgesehen vom kalten Nebel seiner Klangteppiche, die sowohl in flimmernden Höhen wie auch im deprimierendsten Bass schweben, gibt es hier keinerlei Effekthascherei zu hören; das Ganze ist eine Wohltat für Pessimisten...
Da wird man glatt neugierig auf den zweiten Teil ?Crystal lake?: und hier findet sich nicht etwa so, wie man es bei Schulze befürchten könnte, eine Zweitauflage der gleichen Idee; ganz im Gegenteil kommt jetzt Bewegung auf, wenn auch sehr winterliche: alles beginnt mit den strukturschaffenden ?Xylotones? (ein typisches Schulze-Wortspiel), die irgendwas symbolisieren, was mit Wasser zu tun hat (ich weiß, ich hab mich auch schon mal präziser ausgedrückt); jedenfalls denke ich dabei an eine Quelle, die auch im strengsten Winter nicht zufriert und leise plätschernd in einen See einmündet. Die Tonfolge erinnert fast an den Beginn von Oldfield?s ?Tubular Bells?, aber bei Schulze ist die Struktur statisch, sie wird (im Unterschied zu Oldfield) keine Auflösung finden, weil sie gar nicht erst danach sucht. Das Wasser mag noch munter springen, aber es springt in den Frost des zugefrorenen Sees ? die Stimmung in der Musik wechselt allmählich von der hoffnungsvollen Leichtigkeit der Quelle in die Erstarrung der Eisdecke, über die schließlich auch wieder der schneidende Wind fegt.
Schulzes Elektronik erinnert auf diesem Album stark an Tangerine-Dream-Klänge aus deren Phase zwischen ?Phaedra? und ?Rubycon?; er nimmt diesen Stil wenige Jahre nach Tangerine Dream noch einmal auf, während Froese & Co schon andere Wege einschlugen. Aber Schulze hat Recht damit: nichts könnte seine Absicht auf ?Mirage? besser in den Klangfarben widerspiegeln ? dieses Album ist ja auch eine Art musikalischer Trauerarbeit für seinen verstorbenen Bruder, dem das Werk gewidmet ist.
Normalerweise spricht mich klar durchkomponierte und handgemachte Musik mehr an als solche elektronischen Klangebäude, die sich fast ohne Melodieführungen wie von selbst aufzubauen scheinen. Aber ?Mirage? ist für meinen Geschmack eine besondere Ausnahme und neben ?Timewind? das Beeindruckendste, was ich von Schulze kenne.
| Anspieltipp(s): |
Crystal lake |
| Vergleichbar mit: |
Tangerine Dream von 1974-1975 |
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| Veröffentlicht am: |
13.10.2003 |
| Letzte Änderung: |
13.10.2003 |
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Elektronische Musik ist ein zweischneidiges Schwert für mich. Ich kann nicht abstreiten, dass die monolithischen Klangorgien der deutschen Elektroniker, speziell der Berliner Schule eine ungemeine Faszination ausüben. Deshalb hat es mich immer wieder zu neuen Testversuchen mit entsprechenden Scheiben gezogen, sei es von Tangerine Dream, den frühen Popol Vuh, aus dem Kosmische Kuriere-Umfeld oder eben auch Klaus Schulze. Auch wenn ich meistens unbefriedigt von diesen Ausflügen zurückkehrte: die anstehenden Wiederveröffentlichungen grosser Teile des Schulze-Oevres auf dem neu gegründeten InsideOut-Unterlabel "Revisited Records" bieten einen willkommenen Anlass, einen neuen Anlauf zu starten.
Mein Unbehagen mit elektronischer Musik mag auch damit zu tun haben, dass ich oft das Gefühl habe, dass die Elektroniker es sich ein bisschen leicht machen. Wie anders soll man die ungemeinen Ausstossmengen mancher Künstler erklären? Alleine von Klaus Schulze sind auf diesen Seiten momentan 37 Veröffentlichungen aus den Jahren 1972-2002 besprochen, die nicht weniger als 77(!) Tonträger umfassen. Bei Revisited Records sollen (ersteinmal...) (nur...) 28 Alben erscheinen, die aber mit zusätzlichem Bonus-Material wie beispielweise den 19 neuen Minuten auf der vorliegenden "Mirage" aufgewertet werden sollen. Da muss fast der etwas gehässige Verdacht aufkommen, dass Schulze abends Sequencer und Aufnahmegerät anwirft, ins Bett geht und morgens die nächsten fünf Veröffentlichung fertig hat.
Angesichts dieser Menge an verfügbarem Material stellt sich obendrein die Frage, mit welcher Veröffentlichung interessierte Elektronik-Novizen einsteigen mögen. Dafür ist "Mirage" wohl gut geeignet (vgl. auch unseren Elektronik-Leitfaden), da es eine gelungene Symbiose aus den eher statischen Klangbildern der frühen kosmischen Musik und den in der zweiten Hälfte der 70er aufgekommenen bewegteren Sequencer-Figuren darstellt.
"Velvet voyage" beginnt mit effektartigen, fast atonalen Klängen, um die herum nach und nach musikalische Komponenten geschichtet werden: erst ruhig wallende synthetische, aber an Streicher und Chöre erinnernde Flächen, danach sanfte Basslinien, schliesslich glöckchenartige Sequencer-Arpeggios. "Crystal lake" funktioniert nach einem ähnlichen Schichtenmodell, geht aber den umgekehrten Weg: ausgehend von an Minimal Music erinnernden, leicht perkussiven, verschränkten Arpeggios, wird das Klangbild schwebender, symphonischer und ruhiger, um gegen Ende wieder in beinahe hektische Sequencer-Motive auszubrechen.
Die durch die diese Musik erzeugte Stimmung ist in der Tat eindrucksvoll melancholisch. Überhaupt beruht die Wirkung elektronische Musik wohl hauptsächlich auf ihrer emotiven Kraft und kann sich nur bei denjenigen entfalten, die dafür eine Ader haben und obendrein in der rechten Stimmung sind. Wie oben angedeutet, funktioniert dies bei mir nicht immer; mit Mirage scheinen mich Schulze und InsideOut im rechten Moment erwischt zu haben. Vielleicht trägt dazu auch die winterliche Stimmung im Januar 2005 bei, schliesslich ist die Grundidee des Albums - laut Schulze -, eine elektronische Winterlandschaft zu schaffen.
Was den Bonus-Track der Wiederauflage angeht, so ist das Booklet nicht ganz eindeutig. Schulze spricht davon als einem anderen Mix von "Destination void". Im Credits-Bereich wird das Stück als "unreleased longtrack" bezeichnet, der von einem Soundtrack stammt. Ich vermute, dass eher Letzteres stimmt: zwar passt "In cosa crede chi non crede?" (Laut Schulze im Booklet: "Ist es das Gleiche oder ist es nicht das Gleiche?" Gut informierte Kreise sagen: "An was glaubt der, der an nichts glaubt?" Rätselspiele gleich im Namen) musikalisch gut zum Rest des Albums und folgt den gleichen Prinzipien, aber die Instrumentierung mit fast sakralem Orgel-Beginn und etwas schärferen, weniger organisch klingenden Sounds sowie anderen Linien und anderem Geplinge klingen nicht nach "Velvet voyage". Eher scheint mir leichte Konfusion vorzuherrschen. In den Credits wird angegeben, dass die vorliegende CD eine leicht anderen Version von "Velvet voyage" enthalte als die auf den bisherigen "Mirage"-Ausgaben, und ich nehme an, Schulzes Kommentar bezieht sich eher darauf. Allerdings muss ich zugeben, dass mir auch die eigentliche LP mit immerhin einer Laufzeit von gut 57 Minuten schon gereicht hätte. Soooo weit trägt meine unerwartete Begeisterung doch nicht, dass ich die vollen 77 Minuten der Wiederauflage unbedingt haben müsste. Die Spezialisten wird's freuen. Oder auch nicht. Schliesslich kommen auf Komplettisten mindestens 28 Neuanschaffungen zu.
| Anspieltipp(s): |
Eigentlich egal, aber man muss schon genug Zeit mitbringen, um ein ganzes Stück anzutesten. |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
24.1.2005 |
| Letzte Änderung: |
24.1.2005 |
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Dank InsideOut konnte ich nun eine der letzten Lücken in meiner 70er-Jahre-Schulze-Sammlung schließen, und ich kann meinen Vorrednern nur beipflichten: "Mirage" ist ein perfektes Tongemälde, das seinen Untertitel ("Eine elektronische Winterlandschaft") völlig zurecht trägt. Der Gegensatz zum sehr rhythmischen, teils geradezu rockigen Vorgänger "Moondawn" könnte kaum größer sein. Hier dominieren wieder statische Klangflächen wie in Schulzes Frühwerk, die aber nicht ganz so monolithisch daherkommen wie einige Jahre zuvor auf "Irrlicht". Statt teutonischer Schwere durchzieht eine leise Melancholie die Musik, die tatsächlich die Stimmung einer einsamen Winterlandschaft erzeugt.
Pflichtkauf für jeden Elektronik-Liebhaber!
| Anspieltipp(s): |
egal |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
5.2.2005 |
| Letzte Änderung: |
5.2.2005 |
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Nachdem meine Vorschreiber alles Wichtige gesagt haben, nur noch etwas zum Erhellen der "Velvet Voyage"-Version. Ein Vergleich mit der alten LP zeigt einen kleinen, aber feinen Unterschied. Fehlen dieser CD-Ausgabe einige Sprachfetzen im ersten Drittel, gibt es dafür später manches Synthiegeflirre, das in der ursprünglichen Ausgabe fehlt. Diese klingt noch einen Tick spröder, dunkler und melancholischer.
Ansonsten bleibe ich bei dem, was ich schon im Leitfaden schrieb: "sein Meisterwerk der analogen Phase" und eine der Platten aus dem Genre für die einsame Insel.
Leider muss der Schulze-Fanatic nun doch noch eine alte CD-Ausgabe ergattern, will er "Velvet voyage" auch in der anderen Version haben ;-))
NACHTRAG: Die erste Auflage der neuen CDs enthält einen kleinen Fehler (ein kurzes GAP im ersten Track). Inside Out tauscht diese CD aber problemlos um. Wer eine fehlerhafte Cd hat, mailt das Label einfach mal an.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
6.2.2005 |
| Letzte Änderung: |
8.5.2005 |
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Aus technischer Sicht beschreibt Udos Schichtmodell die auf "Mirage" zu hörenden musikalischen Abläufe sehr gut. Schulze schichtet Komponente auf Komponente, schichtet übereinander und baut wieder ab. So wabert und mäandert die Musik relativ formlos dahin, schwillt milde an, verrinnt wieder .... gleitet dahin. Allzu viel passiert dabei nicht und Hennings statische Winterimpressionen charakterisieren treffend die Klänge.
So ziehen die Stunden hin ...
Das Ganze ist, wie die meiste elektronische Musik, die ich bisher zu Ohren bekommen habe, durchaus klanglich beeindruckend, hat aber, wie die meiste elektronische Musik, die ich bisher zu Ohren bekommen habe, einen deutlichen Mangel. Dieser wird vom obigen, zugegebenermassen etwas aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat von Henning verdeutlicht. Das Verhältnis Musikgeschehen zu Spielzeit ist bei dieser Musik oft recht klein. Schulze mag es hier sehr gut gelingen, eine Winterlandschaft zu vertonen. Doch warum muss ich mir dieses Stilleben eine Stunde lang (auf dem Insideout-Remaster sogar fast 80 Minuten lang) aural betrachten? Fünf Minuten würden mir sehr gut reichen, um den winterlichen Eindruck zu verinnerlichen. So fällt es mir wirklich schwer, bei "Mirage" bei der Sache zu bleiben.
Beeindruckend? Nun, fast möchte ich sagen: Beeindruckend langweilig! Doch, wie Udo weiter oben schon festgestellt hat, ist man mitunter in der richtigen Stimmung für solcherart Musik, eine Weltschmerz-Winter-Melancholie, die von "Mirage" wohl ausgezeichnet bedient wird.
Trotzdem geht mir dieses Album (im Moment) meistens etwas auf die Nerven, was vielleicht daran liegt, dass ich diese Rezension im Hochsommer verfasst habe. Kurzfazit: Interessant, aber etwas unspannend.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
15.7.2005 |
| Letzte Änderung: |
12.10.2005 |
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