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The Who

Tommy

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1969 (CD-Wiederveröffentlichung 1996)
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Beat; HardRock
Label: Polydor
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Roger Daltrey vocals
John Entwistle bass, waldhorn, vocals
Keith Moon drums, percussion
Pete Townshend guitar, keyboards, vocals

Tracklist

Disc 1
1. Overture 3:51
2. It's A Boy 2:07
3. 1921 2:49
4. Amazing Journey 4:25
5. Sparks 2:43
6. Eyesight To The Blind   (The Hawker) 2:15
7. Christmas 4:35
8. Cousin Kevin 4:07
9. The Acid Queen 3:35
10. Underture 10:04
Gesamtlaufzeit40:31
Disc 2
1. Do You Think It's Alright? 0:24
2. Fiddle About 1:29
3. Pinball Wizard 3:02
4. There's A Doctor 0:24
5. Go To The Mirror! 3:48
6. Tommy Can You Hear Me? 1:36
7. Smash The Mirror 1:35
8. Sensation 2:27
9. Miracle Cure 0:12
10. Sally Simpson 4:10
11. I'm Free 2:39
12. Welcome 4:32
13. Tommy's Holiday Camp 0:57
14. We're Not Gonna Take It 7:08
Gesamtlaufzeit34:23


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß (Rezension 1 von 2)


In den 60er Jahren starteten 'The Who' als klassische Beat'n'Rock-Combo, sozusagen die Nummer 3 auf der Insel, neben den Beatles und den 'Stones'. Single-Hits wie "My Generation" standen im Mittelpunkt. Pete Townshend, Gitarrist und Haupt-Songschreiber, war das Korsett der 3-Minuten-Singles und Alben als Sammlung dieser schnell zu eng und er strebte nach anderen musikalischen Ausdrucksformen. Schon 1966 begann er daher zusammen mit dem Produzenten Kit Lambert mit längeren Stücken "herumzuspielen", bis sich die Idee einer "Rockoper", also der Nutzung der Elemente der 'klassischen' Oper, mit Mitteln der Rockmusik, entwickelte. Die Grundidee zu "Tommy" war geboren...

"Deaf, Dumb and Blind Boy", "The Amazing Journey", "The Brain Opera"... alles Arbeitstitel für die Geschichte des tauben, blinden und stummen Jungen, der nach einer traumatischen Erfahrung (seine Mutter unterzog ihn quasi einer Art Gehirnwäsche, nachdem er den Mord am Geliebten der Mutter durch den aus dem Krieg heimkehrenden Vater beobachtete) autistisch sein Leben verbringt. Nach Durchleiden eines Martyriums durch verschiedene Wunderheiler, Doktoren, Drogen-Königinnen und missbraucht von Verwandten entwickelt Tommy übersinnliche Fähigkeiten und steigt zum "Flipper-König" auf. Er wird zum modernen Messias und schart eine Gemeinde von Gläubigen um sich. Nach seiner Wunderheilung verliert er aber die Zuneigung seiner Anhänger und steht schliesslich geläutert, aber alleine in der Welt. Soweit die wüste Story, in der Pete Townshend eine Parabel für den Durchlauf verschiedener Bewusstseinsstufen bis hin zur Erleuchtung beschreiben wollte. Das klingt nicht nur spirituell beeinflusst, Pete Townshend stand damals durchaus im Einfluss des indischen Gurus Meher Baba. Andere Elemente der Geschichte orientierten sich durchaus eher an weltlichen Motiven: Ein einflussreicher Kritiker der damaligen Zeit war grosser Flipper-Fan, und so erhofften sich 'The Who' vom Einbau dieses Elements entsprechende Fürsprache... Und ausserdem: Was sind gegen diese Story schon die Geschichten eines gewissen 'Rael' oder eines 'Pink'?

Und die Musik? Pete Townshend schrieb 20 der 24 Titel des Albums. John Entwhistle steuerte zwei, Keith Moon einen Titel bei. Dazu kam das Sonnyboy Williamson-Cover "Eyesight To The Blind". Pete Townshend wollte die Musik (auch gegen den Widerstand von Kit Lambert) so gestalten, dass 'The Who' in der Lage waren, alles selbst ohne die Unterstützung eines Chores oder gar eines Orchesters auf die Bühne zu bringen und live aufzuführen. Damit war die Instrumentierung natürlich auf Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang im wesentlichen festgelegt. Den 'Who' gelingt es zwar diesen Rahmen bis zum Anschlag auszuschöpfen (besonders durch den geschickten Einsatz von akustischer und elektrischer Gitarre), aber die Musik ist deswegen nicht wirklich progressiv. Eher wird oftmals schon ganz schön geschrammelt, was dem Gesamteindruck aber keinen wirklichen Abbruch tut. Schon die virtuose "Overture" nimmt einen gefangen, insbesondere mit den interessanten Akzenten, wenn John Entwhistle das Waldhorn bläst. Und welche Band oder Komponist hatte jemals schon bedacht, dass es zu einer "Overture" folgerichtig auch eine "Underture" geben muss?

Titel wie das harsche "Acid Queen", das rockige "Pinball Wizard" (mit seiner interessanten Gitarrenarbeit), der Aufschrei "I'm Free" sowie das dramatische "We're Not Gonna Take It" mit seinem gewisperten Refrain sind Songs mit Gänsehautgarantie. Und wer "See Me, Feel Me" zum ersten Mal hört, dem werden die Schauer über den Rücken laufen (immer wieder).

Aber eine Einzeltitel-Sezierung macht in diesem Fall ohnehin keinen Sinn. Ein Ganzes wird es erst durch die Verbindung von Musik und Text. Pete Townshend verfasste ein richtiges Libretto mit verschiedenen Rollen, die von ihm selbst, John Entwhistle und im wesentlichen natürlich von Roger Daltrey gesungen und interpretiert wurden. So entstand das Gesamtkunstwerk, welches so nah wie nur irgendmöglich die Rockmusik mit der 'klassischen' Oper verband. Das sollte Massstäbe für Konzeptwerke setzen.

'The Who' performten "Tommy" unter anderem beim Woodstock-Festival (in Auszügen) sowie auf dem legendären "Live At Leeds"-Konzert. Die Band tourte durch Europa und USA und führte die Show mit spezieller Lightshow und Bühnenkostümen in Opernhäusern, Museen und Theatern auf.

In den 70ern erlebte "Tommy" eine Wiederbelebung durch den Kinofilm. In der Filmfassung spielte ebenfalls Roger Daltrey die Hauptfigur. Mit dabei waren als Gäste so illustre Namen wie Tina Turner als "Acid Queen", Eric Clapton als "The Hawker" und natürlich Elton John als "Pinball Wizard". Für den Filmsoundtrack bearbeitet Pete Townshend die Musik neu und verschob die Akzente von der Gitarre hin zum Synthesizer.

'The Who' waren damit auf dem Höhepunkt, veröffentlichten aber unter anderem mit "Who's Next" (aus den Trümmern des gescheiterten "Lifehouse"-Projekts) und einer weiteren 'Rockoper' namens "Quadrophenia" durchaus noch einige weitere auch für Prog-Heads interessante Alben, die aber nicht diese historische Bedeutung erlangten.

Anspieltipp(s): ...nur ganz durchhören bringt die Erkenntnis...
Vergleichbar mit: Von der Idee her mit "The Lamb Lies Down On Broadway" oder "The Wall", musikalisch aber natürlich nicht
Veröffentlicht am: 17.5.2004
Letzte Änderung: 21.5.2004
Wertung: 11/15
Eine Bewertung so eines aus historischen Gründen bedeutenden Werkes ist immer schwierig. Dies ist ein Kompromiss aus dieser Bedeutung und dem musikalischen Schwerpunkt dieser Seiten!

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 2 von 2)


Da dies die erste LP war, die ich in sehr jungen Jahren bewußt hörte, keine Rezi, sondern nur ein paar Anmerkungen:

Wer die Platte/CD noch nicht hat, sollte sich die DELUXE-SACD-Edition von 2003 zulegen, bei der Ausgabe erhält man am meisten Gegenwert für sein Geld.

Erstens gibt es bei dieser Ausgabe erstmalig die Stereoversion der Original-Mastertapes, die Townshend bei der Plattenfirma wiederfand. Die Qualität der Aufnahmen ist klasse und zeigt, dass selbst 1969 hervorragende Platten produziert werden konnten. Nur der Mix ist an manchen Stellen aus heutiger Sicht ungewöhnlich (Drums links, Rest rechts). Die WHO spielen PowerPop (wie Nic Cohn mal schrieb) und das wirklich gut, und der Drummer ist einfach.... der Drummer, der außerdem wunderbar gemein den perversen Onkel Ernie singt. Entwhistle spielt neben Bass noch French Horns, Trumpet und Flügelhorn.

Zweitens hat Townshend selbst einen 5.1 Surround-Mix angefertigt, der in SACD-Qualität enthalten ist - dies ist eine völlig neue Version von TOMMY, und obwohl ich nachträglichen Veränderungen eher skeptisch gegenüberstehe, als Wahlmöglichkeit ist diese Version unbeschreiblich - transparent und übersichtlich wie im Konzertsaal ertönt die Gruppe, und man selbst ist mittendrin. Wer Surround einmal gehört hat, mag kein Stereo mehr, nur der Kopfhörer bietet einen ähnlichen Klangeindruck.

Drittens gibt es TOMMY auf einer CD (wie die MSFL-Ausgabe) und als Bonus diverse Outtakes, Alternativ-Mixe und einige TOWNSEND-Demos auf einer zweiten CD (ebenfalls größtenteils im 5.1 Sound). Die Outtakes ragen zwar selten an die Qualität der veröffentlichten Songs heran, sind aber als Zugabe immer noch gut und zeigen die Entwicklung mancher Stücke (inklusive Studiodialogen). Mir gefällt "We're not gonna take it" diesmal von Townshend gesungen mit am Besten. Die Demos sind Townshend pur, alles von ihm selbst eingespielt, und der "Pinball Wizzard" ist fast besser als die WHO-Version.

Ansonsten, geniale Platte einer genialen Band (aber ich bin voreingenommen ;-)). Der Höhepunkt der WHO-Diskografie beginnt hier und geht weiter bis "Quadrophenia", das dem Proghörer noch besser gefallen könnte.

Und zu "RAEL": erste Motive von TOMMY tauchen im Song "RAEL" aus dem Album "The Who sell out" auf, ob GENESIS da den Namen herhaben?

NACHTRAG: Zum Soundtrack "TOMMY" - die meisten WHO-Fans sind gespalten, weil die Gesangsleistungen der Schauspieler Reed und Anne Margaret das Ganze kaputtmachen ("Champagne" ist ein gutes Beispiel) - Daltrey singt drei Stufen besser als auf dem Original, man vergleiche nur mal "I'm free" miteinander. Auch die Verwendung des Synthies durch Townshend ist gelungen und gibt der Musik mehr "Operncharakter", das schreckt den WHO-Fan seit "Who's next" nicht mehr, aber wie gesagt, die Sangesleistungen der ... saumäßig.
Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: "Arthur" von den KINKS ;-)
Veröffentlicht am: 18.5.2004
Letzte Änderung: 22.5.2004
Wertung: 12/15
ein Meisterwerk für mich

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von The Who

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1973 Quadrophenia 13.00 1

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