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Saint Steven

Over the hills / The Bastich

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1969 (Re-Release und Remaster auf CD 2006)
Besonderheiten/Stil: Beat; Blues; sonstiges
Label: Eclectic Discs
Durchschnittswertung: keine Wertung (1 Rezension)

Besetzung

Steven Cataldo guitar, vocals
John Turner Arrangement of the Band
Russ Hamm Arrangement of the Band
Stephen Pinney drums (on Bonustracks)
Ian Bruce Douglas 12string guitar (on Bonustracks)
Barbara Vanderloop backing singer (on Bonustracks)
Kerry Frangione backing singer (on Bonustracks)

Tracklist

Disc 1
1. Over The Hills 0:43
2. Animal Hall 2:50
3. Gladacadova 2:11
4. Over The Hills 0:18
5. Poor Small 2:41
6. Ay-Aye Poe Day 3:22
7. Grey Skies 2:51
8. Over The Hills 1:28
9. Bastich I 3:07
10. Voyage To Cleveland 2:51
11. Sun In The Flame 2:26
12. Bright Lights 2:02
13. Louisiana Home 2:51
14. Bastich II 1:06
15. My Sunday Love (Bonustrack) 2:57
16. Where Has The Time Gone To (Bonustrack) 2:38
Gesamtlaufzeit36:22


Rezensionen


Von: Henning Mangold @


Ein Blick auf die Besetzungsliste oben zeigt schon, mit welchen Problemen es der Rezischreiber zu tun bekommen kann, wenn er etwas so Altes (und bisher Verschollenes) besprechen soll: es gibt manchmal keine Besetzungsliste. Steven Cataldo alias Saint Steven hatte – wie er selbst in seinen Linernotes bestätigt – etwas blauäugig bei einem Label vorgesprochen (ohne ein „Appointment“ zu haben) und hatte es geschafft, dass seine LP aufgenommen wurde, obwohl seine Demos durch Diebstahl verloren gegangen waren und die Band für die Aufnahme vom Produzenten John Turner und Engineer Russ Hamm erst zusammengetrommelt werden musste. Immerhin war Robert Moog (DER Moog!) in der Nähe und trug ein paar Tastentöne zum Song „Gladacadova“ bei. Und so was wie ein Lineup gibt’s nur zu den zwei Bonustracks, aber selbst da weiß Steven Cataldo den Namen des Bassisten nicht mehr…

Mag auch Henning Pauly sagen „Credit where credit is due!“ – Hier gibt’s an “Credits” nur Fragmente. Und ehrlich gesagt: etwas fragmentarisch wirkt auf mich das ganze Unternehmen dieses Albums.

Wozu kommt überhaupt eine solche Aufnahme, die hauptsächlich dokumentarischen Wert hat, auf die Babyblauen Prog-Seiten? Nun, mancher Leser mag sich vielleicht für die allerersten Anfänge interessieren, die zu dem führten, was wir heute Prog nennen, für den „Proto-Prog“ sozusagen. Und im Falle dieses Interesses lohnt es sich (vielleicht), auch von diesem Album gehört zu haben:

Diese Musik ist nach Auskunft des Re-Release-Labels ein „Klassiker des 60er-Jahre-amerikanischen Acid Rock“. Mir persönlich sagt der Begriff „Acid Rock“ herzlich wenig, ich bin wohl zu jung dafür. Jedenfalls entstand dieser Stil im Dunstkreis der Proteste gegen den Krieg in Vietnam und im Zuge der politischen Unruhen in den späten 60ern in Amerika.

Und wer sich jetzt schon denken kann, wie die Musik klingen könnte, hat damit wahrscheinlich schon Recht: Liedermacher-Rock, von der Akustikgitarre dominiert, und kurze, schmissige Songs machen das Album im Wesentlichen aus. Soweit alles klar.

Da war doch noch eine Frage? Ja: wieso ist das „Proto-Prog“? Nun, das hat sogar mehrere Gründe: die Musik in ihrer damaligen Aufbruchsstimmung zeigt eine Neigung zum Experimentellen; das fängt damit an, dass auf ihrer ersten (mit „Over the hills“ betitelten) LP-Seite Nachrichten-Schnipsel aus Radiosendungen sowie diverse Tiergeräusche eingearbeitet wurden. Das geht damit weiter, dass auf der zweiten LP-Seite („The Bastich“) sogar etwas komplexere Songstrukturen hörbar werden: Da haben wir das Phänomen, wie z.B. in „Bastich“ (in beiden Teilen) die Orgel nebst frickeligen Gitarrensoli eingesetzt wird, wie z.B. in „Voyage to Cleveland“ ein unterschwelliges Grummeln und Ticken geheimnisvolle Atmosphäre erzeugt…

…und wie so manches Arrangement an die frühen Moody Blues in ihrer Hippie-Seligkeit erinnert („Grey skies“ hat sogar schon die für die Moodys typischen Streicher-Keys). Ach ja: und wie zu guter Letzt ein Konzept angedeutet und von Songtiteln („Bastich“) bzw. Songfragmenten („Over the hills“) eingerahmt bzw. strukturiert wird. Wäre die Entwicklung nicht fortgeschritten, wäre dies vielleicht bereits ein ‚Konzeptalbum’.

Andererseits sollte bedacht werden: das war das Jahr 1969; die Beatles waren damals schon viel weiter, die Doors auch, von King Crimson ganz zu schweigen, und selbst „It’s A Beautiful Day“ können mich in derartigen Zeitdokumenten mehr begeistern. Aber der Saint Steven war eben offenbar vor allem ein Klampfen-Liedermacher, und das hört man.

Und das bedeutet: für Komplettisten der frühen Tage des Rock ist diese Aufnahme sicherlich ein gefundenes Hörfutter. Aber für Progfans der heutigen Zeit gibt’s Lohnenswerteres, und wer genug Sixties-Mucke gehört hat, für den wird sich hier kaum ein neuer Impuls ergeben…

Anspieltipp(s): Am besten von Anfang an; wer nach über fünf Minuten noch interessiert ist, für den dürfte es was sein…
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.3.2006
Letzte Änderung: 11.3.2006
Wertung: keine Es ist halt mehr Zeitdokument als wirklich interessante Musik; da sehe ich mich außerstande, den dünnen Prog-Gehalt angemessen zu bewerten.

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