Tid är ljud
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Informationen
Allgemeine Angaben
Besetzung
| David Lundberg |
Fender Rhodes, synthesizer, mellotron |
| Alexander Skepp |
drums, percussion, mellotron, solina |
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| Mathias Danielsson |
acoustic and electric guitars, cymbals |
| Gabriel Hermansson |
bass guitar, bow bass |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Helgamarktz
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5:08
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| 2. |
Syrenernas säng
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8:08
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| 3. |
Aniarasviten
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8:20
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| 4. |
Ljud frän stan
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7:51
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| 5. |
Tog du med dig naturen?
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9:53
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| 6. |
Knölsvanen
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7:12
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| 7. |
Svarta häl och elljusspär
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8:15
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| Gesamtlaufzeit | 54:47 |
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Rezensionen

Von skandinavischem Prog erhoffe ich mir heimlich immer etwas Märchenhaftes; wenn auch nicht gerade den üblichen Fantasy-Kitsch, schon gar nicht Einheitsmucke a la neuere Kaipa, aber ich stelle mir Musik aus dem hohen Norden vor dem Hören immer erstmal irgendwie erdig und urwüchsig vor - sie sollte in etwa so klingen, wie das Mellotron im Wald aussieht, das im Artwork von Anglagards Debütalbum zu sehen ist. das sage ich nur mal vorweg, um mich mal wieder als Naivling zu outen?;-)
Die Musik von Gösta Berlings Saga erfüllt tatsächlich meine Erwartungen; sie ist nur - im Gegensatz zu mir - glücklicherweise kein bisschen naiv.
Auf ihrem ersten Album "Tid är ljud" präsentiert uns die Band ein instrumentales Konzeptwerk, das sich mit Kreaturen beschäftigt, die sich aus "interaction between city and nature" entwickeln könnten. Da ich kein Schwedisch kann, kann ich die Namen der Wesen nicht übersetzen, aber ich stelle mir diese Menagerie in etwa so vor wie eine Kreuzung aus "Several species of small furry animals" und diversen Wahnvorstellungen in urbanen Legenden. Jedenfalls kann sich´s ja nur um eine ziemlich skurrile Angelegenheit handeln, und das gibt die Musik auch wieder. Und im Artwork sind auch ein paar dieser Viecher abgebildet!
In meiner Pressemitteilung steht, im Klang der Band fänden sich Echos von Bands wie Magma, King Crimson oder Kebnekajse. Letztgenannte Gruppe kenne ich gar nicht, aber dafür fällt mir noch manch Anderes auf, das hier und da als Einfluss durchschimmert:
Der Opener zum Beispiel führt einen typischen frühen Camel-Rhythmus vor, aber in einer schrofferen Variation, als man sie bei Camel je gehört hat; da kündigt sich gleich das Erdige an, was den Gesamteindruck des Albums stark prägt, wobei die gewisse Schroffheit noch durch eine nordisch-folkige Melodie in Bahnen gehalten wird, in denen sich auch Ohrwürmer winden können. Das ist eine faszinierende Mischung, die sofort unterschiedlichste Prog-Erwartungen erfüllt.
Im weiteren Verlauf des Albums ist denn auch Schluss mit Camel-Anleihen. Es gibt stattdessen ab und zu Kapriolen, die leicht an Gentle Giant erinnern könnten ("Aniarasviten"), dann Gitarren-Geklirre wie aus der mittleren Phase von King Crimson (im Mittelteil von "Ljud fran stan"), ferner episch breit ausgeführte Anekdoten-Sperrigkeit ("Svarta hal och elljusspär") und ein geschickt durchorganisierter Pseudo-Jam ("Knölsvanen" nach der Einleitung), der mich von der Grundatmösphäre her an Bo Hanssons "The sun - Parallel or 90°" erinnert). In "Knölsvanen" kommen zudem Leitern aus Gitarrenakkorden vor, die ein wenig klingen wie Francis Monkman´s Cembalo-Linien bei Sky, aber viel erfrischender, und "Aniarasviten" sowie "Syrenernas säng" führen jeweils Themen und deren variationsreiche Reprisen vor, die so klingen, als könnten auch Liquid Scarlet auf ähnliche Ideen kommen.
Der Sound des Albums wird vorwiegend von Gitarren, Drums und Bass geprägt, wobei die eingesetzten Gitarren sehr vielfältig sind und sehr überraschende Sounds erzeugen (am deutlichsten im spannenden Saiten-Ziehen im Mittelteil von "Aniarasviten"), was natürlich den Vergleich zu King Crimson durchaus rechtfertigt. Drums und Bässe sind perfekt in der Abmischung aufeinander hin produziert, so dass sie dem Sound das solide Gerüst geben, in dem sich auch unerwartete andere Klänge tummeln können (Mellotron, Flöten, Violinen), die zwar sparsam dosiert werden, dadurch aber gerade positiv auffallen. Die Songstrukturen werden zwar immer wieder breit ausgewalzt, wirken aber dank ihrer stets sprudelnden Ideen auf mich niemals langweilig. Und darum sind die erwähnten Vergleiche auch mit Vorsicht zu genießen, denn Gösta Berlings Saga machen durchaus eigenständige Musik, bei der die vorkommenden Ähnlichkeiten m.E. als echte Inspirationen aufgefasst werden können.
Auf der Band-Website steht ein Satz, der zur Musik passt und in treffend köstlicher Weise Progfans wie mir den Spiegel vorhält: Die Band stellt sich dort vor als "That band your unmarried, childless uncle with that beard and the weird smell likes". Abgesehen vom Bart erkenne ich mich in diesem Bild durchaus wieder (ich werde demnächst auch mal meine Nichten fragen, was sie dazu meinen ;-)). Ergänzend möchte ich behaupten: dieses Album ist vor allem was für Leute, die den Stil des ersten Albums von Liquid Scarlet vermissen und sich seither mehr von der Art wünschen.
| Anspieltipp(s): |
Da ist alles geeignet. |
| Vergleichbar mit: |
siehe oben - aber die Eigenständigkeit des Albums dominiert seinen Eindruck! |
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| Veröffentlicht am: |
17.10.2006 |
| Letzte Änderung: |
1.8.2012 |
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Gösta Berlings Saga machen Retroprog. Mehr oder weniger. Retroprog aus Skandinavien ... also melancholisch, schwerfällig und mellotrongeschwängert? Falsch! Ein lockerer, jazzig-beschwingter Instrumentalprog wird auf dem Erstling der Schweden nämlich geboten. Ziemlich originell ist "Tid ar ljud" zudem auch ausgefallen, wird doch hier keiner der großen klassischen Bands und auch nicht einer der etwas rezenteren skandinavischen Retrokombos nachgeeifert. Die Mellotronstimmen wurden zwar - wie extra im Beiheft vermerkt ist - im Probenraum von Anekdoten aufgenommen, doch bestehen ansonsten keine allzu großen klanglichen Gemeinsamkeiten mit den schwedischen Kollegen.
Haben sich Anekdoten, zumindest auf ihren ersten drei Alben, deutlich von King Crimson inspirieren lassen, ist eine solche Einflussnahme bei Gösta Berlings Saga nicht so einfach festzustellen. Das oben erwähnte Mellotron ist übrigens gar nicht so oft zu hören (was auch gut so ist). Bestimmt wird die Musik vielmehr von E-Piano und E-Gitarre, begleitet von Bass und Schlagzeug. Dazu kommen noch, neben dem Mellotron, ein paar Synthesizerklänge und Gasteinlagen an Violine und Flöte. Rocktrio, perlende E-Pianoläufe und eine deutlich jazzige Ausrichtung wecken gewisse Assoziationen zum Canterburysound der mittleren 70er Jahre. Entfernt an Caravan, Hatfield & The North, vielleicht auch ein wenig an Camel erinnert die Musik, bewegt sich aber sicher in ähnlichen musikalischen Gefilden, wenn auch in einem deutlich moderneren Gewand. Stellenweise lässt die etwas unspektakulär wirkende Musik, die aber mit ihrer lockeren Verspieltheit gefangen nimmt, auch an die Soloalben von Bo Hansson denken. Eine Spur King Crimson ist schliesslich doch gelegentlich auszumachen, vor allem im abschließenden "Svarta hal och elljusspar".
Jazzig, locker und abwechslungsreich rockt sich die Band durch die sieben Nummern, begibt sich ab und zu gar in leicht schräge und freiformatige Gefilde, bleibt aber immer sehr gutgelaunt und unterhaltsam. Allzu viel nordische Melancholie ist hier jedenfalls nicht auszumachen - am ehesten vielleicht noch im langen "Tog du med dig naturen?". Gösta Berlings Saga ist mit ihrem Debüt ein wirklich feines Album mit unpeinlichem, unaufdringlichem und unstaubigem Retroinstrumentalprog gelungen (der gar nicht so furchtbar retro klingt), welches eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Mir gefällt es jedenfalls sehr gut. Und dass, obwohl ich verheiratet bin, zwei Kinder und keinen Bart habe. Aber irgendwie ist die Scheibe, vielleicht aufgrund der Stoiltschen Massenproduktion, ziemlich untergegangen. Schade!
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
7.1.2010 |
| Letzte Änderung: |
6.4.2011 |
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